Einzelne Mitglieder
der Familie Feuerbach

 

Das Familienband ist stärker als das Band, welches den Menschen an seine Existenz knüpft. Die Familienglieder können nicht sein ohne einander. Der Mensch macht sich hier zum Glied eines Ganzen.
Das Bewußtsein meiner im Bewußtsein des Anderen, und umgekehrt, ist das Bewußtsein der Gattung.

Nachlaß cod. ms. 935 d, 17 a

 

Das Sonderheft Nr. 6 von Aufklärung & Kritk "Die Familie Feuerbach in Franken" steht jetzt im Volltext mit vielen Abbildungen zur Verfügung.

 

 

Die Eltern

Der Vater: Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach (1775-1833)
Die Mutter: Wilhelmine Feuerbach, geb. Tröster (1774-1852)

 


 

Die Geschwister

Joseph Anselm, Kunstkritiker und Archäologe (1798-1851)
Karl Wilhelm, Mathematiker (1800-1834)
 
Eduard August, Jurist (1805-1843)
Friedrich Heinrich, Philologe (1806-1880)
 
sowie 3 Schwestern Magdalena, Leonore, Elise

 


 

Ludwigs Familie

Bertha Feuerbach, geb. Löw (Loewe) (1803-1883)
Leonore Feuerbach (1839-1923)
 
 
 
Mathilde Feuerbach (1842-1844)

 

 

Weitere Familienmitglieder

Anselm Feuerbach, der Maler (1829-1880)
Sohn des Archäologen Joseph Anselm Feuerbach
Henriette Feuerbach, geb. Heydenreich, Stiefmutter des Malers (1812-1892)

 

Die Familienmitglieder im einzelnen:

 


 
Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach (1775-1833)

Der Vater Ludwig Feuerbachs stammte aus dem Frankfurter Zweig der Familie, der sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen läßt. Er wurde auf Grund seiner Verdienste auf dem Gebiet der Jurisprudenz im Jahre 1808 vom bayerischen König zum Ritter erhoben. Er gilt insbesondere als Begründer des positiven Rechts, indem er Kants Kritik am Naturrecht fortführte, und entwickelte die Vergeltungstheorie im Strafrecht.
Nach seiner Heirat und der Geburt des ersten Sohnes (1798) übernahm er zwecks Broterwerbs eine Dozentur in Jena und folgte schließlich, nach der Geburt des zweiten Sohnes (1800) einem Ruf nach Kiel (1801). 1803 folgte der protestantische Jurist einem Ruf an die katholische Universität Landshut, wo 1804 der Sohn Ludwig geboren wurde.
Im Jahr 1806 ließ er sich wegen Unstimmigkeiten an der Universität nach München versetzen, wo ihm 1807 der fünfte Sohn Friedrich sowie drei weitere Töchter geboren wurden.
Da er sich in einer kleinen Schrift im Jahr 1814 (Wiener Kongreß) vorsichtig gegen die vorherzusehende Restauration gewandt hatte, fiel er in Ungnade und wurde nach Bamberg versetzt.
1817 erhielt er die Präsidentschaft am Appellationsgericht Ansbach, wohin er sich unter Zurücklassung seiner Frau und der Töchter in Bamberg begab - er zog dort mit seiner Maitresse aus München (Nanette Brunner) zusammen, während seine Söhne in einem eigenen Hausstand samt Dienerin unter seiner Aufsicht lebten. Erst 1822 nach dem Tod Nanette Brunners zogen die Eltern wieder zusammen.

In seiner Ansbacher Zeit kam PJA von Feuerbach in enge Berührung mit dem Fall Kaspar Hauser, über den er auch verschiedene Schriften veröffentlicht hat (s. unten); wir können Ihnen hier über diesen Zusammenhang eine Filmsequenz aus der Reihe "Sphinx" des ZDF (6,9 MB) zeigen.

Am 29. Mai 1833 starb er unerwartet und plötzlich auf einer Reise in Frankfurt.

Bei Legal Tribune Online berichtet Jürgen Seul "Zum Todestag von Johann Paul Anselm Ritter von Feuerbach am 29. Mai 1833" (2012)
Sein Sohn Ludwig wurde ein berühmter Philosoph, sein Enkel Anselm ein bedeutender Maler. Johann Paul Anselm Ritter von Feuerbach selbst war Jurist und begründete die wissenschaftliche Kriminalpsychologie. Er konkretisierte das heutige Justizgrundrecht "Keine Strafe ohne Gesetz" und spätestens seine Aufarbeitung des "Falles Kaspar Hauser" machte ihn unsterblich – und kostete ihn am 29. Mai 1833 womöglich das Leben.
Lesen Sie hier den gesamten Artikel!

Seine wichtigsten Schriften:

Über die einzig möglichen Beweisgründe gegen das Dasein und die Gütigkeit der natürlichen Rechte (1795)

Kritik des natürlichen Rechts als Propädeutik zu einer Wissenschaft der natürlichen Rechte (1795)

Anti-Hobbes oder über die Grenzen der höchsten Gewalt und des Zwangsrechts der Bürger gegen den Oberherrn (1798)

Revision der Grundsätze und Grundbegriffe des positiven persönlichen Rechts (1799)

Lehrbuch des gemeinen in Deutschland gültigen peinlichen Rechts ... (1801)

Über die Unterdrückung und Wiederbefreiuung Europas (1813)

Für die deutsche Freiheit und Vertretung deutscher Völker durch Landstände (1814)

Ueber die Gerichtsverfassung und das gerichtliche Verfahren Frankreichs in besonderer Beziehung auf die Oeffentlichkeit und Mündlichkeit der Gerechtigkeitspflege (Heyer Verlag 1825, Gießen)

Aktenmäßige Darstellung merkwürdiger Verbrechen (1828)

Kaspar Hauser, Beispiel eines Verbrechens am Seelenleben des Menschen (1832)


In Jena, wo Paul Johann Anselm Feuerbach Philosophie und Jura studiert und zwei Jahre gelehrt hatte, ehrte man den großen Juristen mit einem Denkmal.


Foto: Prof. Dr. Marita Metz-Becker (Marburg)

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Wilhelmine Feuerbach, geb. Tröster (4.1.1774 - Nov. 1852)

Wilhelmine, die aus Dornburg stammte, war schon die Geliebte von Johann Anselm, als sie dieser im Jahr 1798 heiratete und ihm im selben Jahr ihren ersten Sohn gebar.
Obwohl ihr Ehemann um 1792 von seinem Zuhause in Frankfurt entflohen war, weil es wegen des Zusammenlebens seines Vaters mit einer Maitresse zu Streitigkeiten gekommen war, tat er Wilhelmine nach seiner Versetzung nach Bamberg den gleichen Tort an und zog mit seiner Maitresse Nanette aus München zusammen. Aus dieser Zeit sind bewegende Briefe Ludwigs vorhanden, der von der Trennung der Eltern und von seinen Schwestern, die bei der Mutter in Bamberg verblieben waren, sich sehr bekümmert zeigte. Nach dem Tode ihres Mannes lebte sie mit ihren unverheirateten Töchtern in Nürnberg.

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Joseph Anselm Feuerbach
Kunstkritiker und Professor der Archäologe in Freiburg
(9.9.1798-8.9.1851)

Sein bekanntestes Werk ist die Veröffentlichung "Der vatikanische Apoll. Eine Reihe astrologisch ästhetischer Betrachtungen", erschienen in Nürnberg 1833.


Das Grab von Joseph Anselm in Freiburg
Foto: Helmut Walther (2005)

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Karl Wilhelm, Mathematiker (30.5.1800-12.3.1834)

Karl, der in Erlangen und Freiburg Mathematik studiert hatte, erhielt eine Professur in Erlangen. Wohl im Zusammenhang mit Verdächtigungen der Teilnahme an burschenschaftlichen Verschwörungen, derentwegen er auch in Haft (1824) genommen wurde, verstarb der überbegabte und gesundheitlich labile Bruder Ludwigs bereits in jungen Jahren. Nach ihm ist der "Feuerbachsche Kreis" (Neunpunktekreis) benannt.

Seine wichtigsten Schriften:

Eigenschaften einiger merkwürdiger Punkte des gradlinigen Deiecks ... (1822)

Grundriß zu analythischen Untersuchungen der dreieckigen Pyramide (1827)

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Eduard August, Jurist (1.1.1805-25.4.1843)

Eduard wurde wie sein Vater Jurist und lehrte als Dozent und Professor in München und Erlangen. Ebenso wie sein Vater starb er im Jahre 1843 bei einem Besuch in Bruckberg völlig unerwartet.

Seine wichtigsten Schriften:

De Universali fidejussione, quam Germanice Gesamtbürgeschaft (1826)

Die Lex Salica und ihre verschiedenen Rezensionen (1831)

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Friedrich Heinrich, Philologe (29.9.1806-24.1.1880)

Friedrich wird oft als der "Popularisierer" von Feuerbachs Lehren bezeichnet; Ludwig selbst aber sagte über ihn, daß er "nichts weniger als ein Organ seines Bruders Ludwig" sei. Vielmehr stünde er "auf seinen eigenen Beinen."
Als jüngster Sohn hatte er Sprachen und Literatur in Erlangen, Bonn und Paris studiert. Er kränkelte an den Folgen einer Cholera, die ihn in seiner Pariser Zeit (1832) befallen hatte. Da er so aus gesundheitlichen Gründen seinem eigentlichen Beruf als Philologe nicht nachgehen konnte, privatisierte er in Nürnberg und widmete sich der Verbreitung der Gedanken seines Bruders.

Seine wichtigsten Schriften:

Theanthropos. Eine Reihe von Aphorismen (1838)

Die Religion der Zukunft (1843)

Die Bestimmung des Menschen und Reisepass eines Christen (1844)

Mensch oder Christ? Sein oder Nichtsein

Die Kirche der Zukunft. Eine Reihe von Aphorismen (1847)

Gedanken und Tatsachen. Ein Beitrag zur Verständigung über die wichtigsten Bedingungen des Menschenwohles (1862)

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Bertha Feuerbach, geb. Löw (Loewe) (1803-1883)

Bertha war die zweite Tochter des Fabrikdirektors Christoph Fr. Löw, der 1807 die Porzellanmanufaktur in Bruckberg übernommen hatte. 1833 lernte Ludwig Bertha auf einem Spaziergang von Ansbach nach Bruckberg kennen - für beide das die Zukunft entscheidende Ereignis.
Am 12.1.1837 wurde Hochzeit gefeiert, und Ludwig erhielt ein geräumiges Arbeitszimmer im Seitenflügel des Schlosses. Bertha stand vom Reinertrag der Porzellanfabrik ein Drittel zu, so daß zunächst ein bescheidenes Auskommen gesichert war.
Sie gebar ihm zwei Töchter, von denen die jüngere, Mathilde, zum großen Schmerz beider in der frühen Kindheit verstarb (1844). Nach 1850 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Manufaktur immer mehr - Henriette Feuerbach schrieb 1852: "Bertha scheint mir die völlige und personifizierte Resignation." Nach dem Konkurs zog sie mit Ludwig nach Nürnberg - Rechenberg, wo es sich unter bescheidenen, oft sogar widrigen Umständen einzurichten galt.

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Leonore Feuerbach (1839-1923)

Die Tochter bewahrte und ordnete den schriftlichen Nachlaß des Vaters; im Jahre 1876 übergab sie diesen dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, wo ihn W. Bolin nutzen konnte. 1887 erhielt Leonore den Nachlaß zurück und übersandte ihn schließlich 1919 bereits 80-jährig der Universitätsbibliothek München mit folgendem Zueignungsbrief*:

"Ich erlaube mir beifolgende kleine Überbleibsel aus dem handschriftlichen Nachlaß meines Vaters an Ihre Adresse zu senden, mit der ergebenen Bitte, dieselben in ihren feuersicheren Manuskripten-Asyl gütigst einverleiben zu wollen. Die Unterbringung des kleinen Pakets wird wohl mit Schwierigkeiten nicht verbunden sein; danke im voraus für gütige Annahme und bedaure, Sie belästigen zu müssen."

* Ludwig Feuerbach, Gesammelte Werke, Band I, hg. v. W. Schuffenhauer, Akademie-Verlag 1981, S. 39

Zu Ludwig Feuerbachs Tochter Leonore ist die Nr. 1 der Schriftenreihe der LFG erschienen; das Heft bringt von der Tochter gesammelte und 1879 publizierte "Aussprüche" ihres Vaters, vor allem aber auch einen Überblick über ihr Leben von Werner Schuffenhauer.

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Bearbeitung der Seite: Helmut Walther


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