Aktuelle Berichte 2012-2015
über Ludwig Feuerbach
und Aktivitäten
der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft




  • Tagesseminar in Nürnberg am 24.10.2015
  • Veranstaltung zum 211. Geburtstag Ludwig Feuerbachs am 28.07.2015 auf dem Johannisfriedhof Nürnberg
  • Tagesseminar in Nürnberg am 25.10.2014
  • Veranstaltung zum 210. Geburtstag Ludwig Feuerbachs am 28.07.2014 auf dem Johannisfriedhof Nürnberg
  • Tagesseminar in Nürnberg am 26.10.2013
  • Veranstaltung zum Geburtstag Ludwig Feuerbachs am 28.07.2013 auf dem Johannisfriedhof Nürnberg
  • Bericht über die Exkursion nach Frankfurt am 01.06.2013 zum Grab von PJA von Feuerbach an seinem 180. Todestag
  • Unser Gründungsmitglied und langjähriger Beirat, Prof. Dr. Johannes Neumann, ist am 05.05.2013 verstorben.
  • Tagesseminar in Nürnberg am 27.10.2012
  • Berichte der Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung über unsere Schriftenreihe Nr. 3
  • Sendung des WDR zum 140. Todestag von Ludwig Feuerbach 2012
  • Veranstaltung zum Geburtstag Ludwig Feuerbachs am 28.07.2012 auf dem Johannisfriedhof Nürnberg
  • Zum Tod unseres Ehrenvorsitzenden, Prof. Dr. Werner Schuffenhauer, am 23.02.2012





  • Tagesseminar der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft Nürnberg am 24.10.2015 in Nürnberg

    Auch in diesem Jahr waren Mitglieder und Gäste der Einladung zum achten Tagesseminar der Gesellschaft in Nürnberg gefolgt, auf das auch die Nürnberger Nachrichten mit einem ausführlichen Vorbericht hingewiesen hatten, und füllten den Kleinen Saal des Nachbarschaftshauses Gostenhof bis auf den letzten Platz, um sich in diversen Referaten und Diskussionen Leben und Werk Ludwig Feuerbachs zu widmen.

    Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch den Tagungsleiter Dr. Frank Schulze, den 2. Vorsitzenden der LFG, übernahm Helmut Fink den Auftakt der Vorträge, der sich in seinem Thema "Feuerbachs Widerhall – Zur theologischen Inanspruchnahme eines großen Religionskritikers" der Frage widmete, wie in heutiger Zeit auf religiöser bzw. kirchlicher Seite die religionskritischen Gedanken des Philosophen aufgenommen und "verarbeitet" werden. Als Beispiele wurden dazu insbesondere herangezogen das in der evangelischen Religionslehre Verwendung findende Buch von Manfred Keßler ("Der Mensch zwischen Gott und Welt, Ev. Religionslehre 1") sowie das Buch von Hans Küng ("Existiert Gott? Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit"). Der Referent attestierte beiden Autoren eine durchaus faire und meist zutreffende Darstellung der Feuerbachschen Religionskritik, insbesondere auch seiner psychologischen Rückführung der Gottesvorstellungen auf menschliche Wünsche; andererseits werde dessen Kritik natürlich nicht wirklich angenommen, sondern zunächst ins Existentielle verlagert, für welches dann die Vernunft nicht mehr zuständig sein soll, sondern der Glaube. Kommt letzterer dann in logische Nöte wie etwa in der Theodizeefrage, werde ausgewichen und sogleich auf andere Felder übergegangen bzw. Feuerbachs Bejahung des Menschen z.B. von Karl Barth als "Plattheit" denunziert. Eine Art "positiver Verarbeitung" der Religionskritik Feuerbachs findet nach dem Urteil des Referenten jedenfalls insoweit statt, als diese quasi als "Fehler-Spiegel" Verwendung finde, mit welchem sich "verzerrte Gottesbilder" enthüllen ließen – insgesamt werde jedoch die Auffassung Feuerbachs seitens der Theologen als unbegründet zurückgewiesen. Ein Argument für diese Ablehnung findet sich schon bei E. v. Hartmann, der darauf hinwies, dass aus der Rückführung Gottes auf menschliches Wunschdenken logisch ja noch nicht die Nichtexistenz Gottes folge; weiter wird behauptet, die Anthropologie könne nicht alle Aspekte der Gottesvorstellungen erklären, und das "homo homini deus" Feuerbachs sei eine unangemessene Selbstvergottung des Menschen. Angesichts des "logischen Patts" im Hinblick auf die Frage nach der Existenz Gottes erkennt Helmut Gollwitzer schließlich Feuerbachs Auffassung lediglich einen "thetischen" Status zu. Für den Referenten erweist sich die psychologische Erklärung der Religion durch Feuerbach als wesentlich plausibler als das ("geoffenbarte") Gottesbild der Religion(en), insbesondere auch deshalb, da alle seine religiösen "Verarbeiter" die philosophische Grundauffassung Feuerbachs, die sich ja nicht in der Religionskritik erschöpft, jeweils für die eigenen Zwecke verkürzten.



    Helmut Fink - Jürgen Pommerenig - Dr. Alfred Kröner - Matthias C. Friedel - Ulrike Ackermann-Hajek - Helmut Walther

    Nach einem zum Vorhergehenden passenden Kurzreferat mit dem Thema "Dietrich Bonhoeffer und seine Beziehung zu L. Feuerbach" von Jürgen Pommerenig unternahm es Dr. Alfred Kröner, unter dem Titel: "Feuerbach hat einen Brand in die Theologie geworfen", "das Verhältnis Feuerbachs zur Theologie aus seinen wesentlichen Schriften" darzustellen. Dazu ging er zunächst kurz auf die geistige Entwicklung Feuerbachs ein, der in seiner Jugend "Religion als Beruf und Ziel" ansah, aber über Heidelberg und Berlin (Hegel) sich ganz der Philosophie zuwandte. Einen nicht geringen Einfluss übte insoweit sicherlich die damalige sich gegen die Aufklärung wendende Auffassung von Theologie aus, die in der Restaurationszeit nach 1815 im Bund von "Thron und Altar" zu einer dogmatischen Orthodoxie bzw. Pietismus führte. Zwar gebe sich die moderne Theologie in Doxologie, Homologie, Exegese und Apologie einen gelehrsamen Anstrich, doch kann das "Hören auf das Wort der Offenbarung" (K. Rahner) wirklich als wissenschaftlich bezeichnet werden? Für Feuerbach steht jedenfalls seit 1830 ("Gedanken über Tod und Unsterblichkeit") und seinem "Pierre Bayle" (1838) fest, das die theologische Gelehrsamkeit nur ein "übertünchtes Grab" sei, da sie mit der vorausgesetzten Glaubenswahrheit den Zweifel ausschließe und somit unwissenschaftlich sei; Wissenschaftlichkeit hingegen erfordere einen "universellen Geist, unbeschränkt von der Religion". Und bereits zu dieser Zeit macht er darauf aufmerksam, dass mit dem Wunderglauben Vorstellungen zu Fakten gemacht würden. Auf diesem Weg fortschreitend veröffentlicht er 1841 sein Hauptwerk, "Das Wesen des Christentums", dessen Erscheinen von einem Rezensenten mit dem Titel-Zitat begrüßt wurde; darin bezeichnet er einerseits die hergebrachte Theologie als "psychische Pathologie", deren wahres Wesen nur in der Anthropologie gefunden werden könne: Religion sei "der Traum des menschlichen Geistes" bzw. "Schein der Imagination". In seiner Schrift von 1851 zum "Wesen der Religion" beschreibt Feuerbach sein Anliegen, "das dunkle Wesen der Religion mit der Fackel der Vernunft zu beleuchten", mit dem Ergebnis, dass Theologie in Wirklichkeit Anthropologie sei, in der sich das Wesen des Menschen selbst vergöttere. Nach dem Urteil des Referenten könne man mithin Theologie keinesfalls als Wissenschaft bezeichnen, da sie immer unter dem Offenbarungsvorbehalt stehe, der ein freies Denken nicht zulasse. Angesichts dessen und im Hinblick auf das Neutralitätsgebot des Grundgesetzes in Religionsdingen findet er es mehr als verwunderlich, dass der deutsche Staat dennoch bis heute 19 theologische Fakultäten zu Lasten aller Steuerzahler finanziere, neben welchen noch weitere vier kirchliche und fünf Ordenshochschulen existierten.



    Nach einer Mittagspause in der Cafeteria des NHG ging es frisch gestärkt an die zweite Runde der Vorträge, die von Matthias Christian Friedel mit dem Thema "'Satan ist tot.' Der Adiabolismus Ludwig Feuerbachs bis heute" eröffnet wurde, mit dem er sein Referat vom Vorjahr (s. den Bericht über das Tagesseminar 2014) über diese 'a-diabolistische' Parallelbewegung zum A-Theismus geschichtlich vertiefte. Nachdem nochmals kurz der "lückenhafte Adiabolismus Ludwig Feuerbachs" (s. 2014) beschrieben wurde, und der Klärung der Frage, ob ein Atheist stets zugleich Adiabolist sei (Thomasius: nein! Auf Feuerbach aber zutreffend wie ebenso heute auf Georges Minois), erörterte der Referent die Bezüge des Philosophen zu 'adiabolistischen Vorläufern'. Zunächst diejenigen, die Feuerbach selbst in seinen Schriften nennt: Johannes Wier (16. Jh., der sich auch gegen die Hexenverfolgung wandte), Balthasar Bekker (17. Jh., "Die Bezauberte Welt"; Zitat Feuerbachs: "Wie man jetzt den Atheismus als Feuerbachianismus, so signalisierte man einst den Adiabolismus als Bekkeriansismus."); sodann wurde auf diejenigen Adiabolisten eingegangen, die Feuerbach in anderen Bezügen nennt: Agrippa von Nettesheim, Christian Thomasius, Georg Friedrich Meier und Friedrich Schleiermacher, und zuletzt diejenigen Adiabolisten, die bei Feuerbach nicht genannt werden, zu denen u.a. Johann Salomo Semler zählt – eine Lichtgestalt im sogenannten Teufelsstreit, ausgetragen zwischen Aufklärung und christlicher Orthodoxie. Denker, die in Feuerbachscher Manier den anthropologischen Adiabolismus zwar streiften, ihn jedoch genausowenig wie der Autor des "Wesens des Christentums" begründeten, waren Pietro Pomponazzi, Fjodor Dostojewski, Gustav Roskoff, Arturo Graf und Kurt Flasch. Insbesondere mit letzterem ging der Referent auf die heutige Situation und "bröckelnde Relevanz" des Adiabolismus ein - ablesbar an der Tatsache, dass unter Papst Franziskus immer mehr Exorzisten ausgebildet werden. So sei zwar "Feuer-bach nicht der Feuersee des Teufels", aber in Analogie zu Nietzsche lasse sich sagen: "Satan ist tot! Satan bleibt tot! Und wir haben ihn beerbt!"

    Nach einer Kaffeepause befasste sich Ulrike Ackermann-Hajek mit "Ludwig Feuerbach in seinen engsten familiären Beziehungen zu Ehefrau und Tochter". 1833 hatte Feuerbach seine spätere Ehefrau Bertha Löw kennen- und lieben gelernt und zog nach Aufgabe seiner Dozentur in Erlangen 1836 zu ihr in die Porzellanfabrik im Bruckberger Schloss, wo die Eheschließung am 12.11.1837 stattfand. Ließ sich zunächst alles bestens an – 1839 wird die Tochter Leonore geboren, 1841 stellt sich mit dem "Wesen des Christentums" der literarische Erfolg ein, 1842 kommt die Tochter Mathilde zur Welt -, so trübt der Tod der letzteren 1844 und sodann die Affäre Feuerbachs mit Johanna Kapp das Eheglück. Doch man blieb zusammen und Bertha der feste Pol, der Feuerbach den Rückhalt für seine Schriftstellerexistenz gab. Dessen war sich letzterer auch durchaus bewusst, und so übereignete er ihr zu ihrer Absicherung seine gesamte Literatur. Nach dem Konkurs der Porzellanfabrik siedelte die Familie auf den Rechenberg bei Nürnberg über. Nach dem Tod ihres Mannes am 13. September 1872 zog Bertha mit "Lorchen" nach Nürnberg und 1880 schließlich nach Aibling, wo sie 1883 verstarb. Leonore, zu diesem Zeitpunkt bereits 43 Jahre alt, hatte es trotz zweier Anläufe zu keiner Eheschließung gebracht. War sie doch "die Tochter nicht nur meines Leibes, sondern auch Geistes", so der Vater über ihr vertrautes Verhältnis, und so sehr in dessen Gedankenwelt eingewoben, dass sie nicht nur für diesen in den letzten Jahren die Korrespondenz übernahm, sondern auch nach seinem Tod eine Auswahl von Aphorismen zu wichtigen philosophischen Aspekten aus seinem Werk herausgab, um dieses auch in weiteren Kreisen zur Wirkung zu bringen (neu herausgegeben als Schriftenreihe Nr. 1 der LFG). Nach dem Tod der Mutter blieb sie in Aibling und hütete den Nachlass des Vaters, aus dem sie aus wirtschaftlicher Not allerdings auch immer wieder zu Verkäufen genötigt war. 1919 übergab sie den restlichen Nachlass an die Universitätsbibliothek München, ganz verarmt wurde sie 1922 zum Pflegefall, betreut von Julie Feuerbach, der Witwe eines ihrer Cousins, und verstarb schließlich 1923; am 23. September wurde sie in der Feuerbachschen Grabstätte beigesetzt.

    Nach diesem Blick auf die beiden wichtigsten Bezugspersonen Ludwig Feuerbachs berichtete Helmut Walther über die bislang nicht veröffentlichten Bände 15, 16 und 22 der von Werner Schuffenhauer herausgegebenen und im Akademie-Verlag Berlin erschienenen Gesammelten Werke Ludwig Feuerbachs sowie über die Vorgeschichte und weitere Entwicklung. Zeichnete sich doch schon bei der 200-Jahr Feier zu Feuerbachs Geburtstag im Jahr 2004 in Berlin ab, dass es aus finanziellen Gründen mit der Fertigstellung der Gesamtausgabe Probleme geben würde (Näheres zu dieser Veranstaltung auf dieser Homepage im Pressearchiv 2004/2005 und Folgeseite. So kam es zwecks Finanzierung der Fertigstellung zu einem Spendenaufruf durch die LFG Nürnberg (s. die Veranstaltung der LFG vom 28.7.2006 , der zusammen mit einer Sachbeteiligung der Brandenburger Akademie der Wissenschaften das notwendige Privatkapital aufbrachte, um die benötigten öffentlichen Fördergelder zu erhalten. So konnte in den Jahren 2006/2007 an den drei Bänden weiter gearbeitet werden, allerdings ergab ein anschließend von der BBAW beauftragtes Gutachten, dass die Druckreife noch nicht erreicht sei. Zwar war Werner Schuffenhauer bis zu seinem Tod im Jahr 2012 immer bemüht, den Druck der drei fehlenden Bände voranzutreiben, aber gesundheitliche Beeinträchtigungen machten dies zuletzt zunichte. Für diesen Fall war mit ihm abgesprochen, dass sich die LFG zur Sicherung des erarbeiteten Materials dieser Bände bemühen sollte, mit Genehmigung der Rechteinhaber eine Internetpublikation anzustreben, die nunmehr in Angriff genommen werden soll.

    Unter dem Beifall der Teilnehmer, die sich von den unterschiedlichen Themen sehr angetan zeigten, schloss Dr. Schulze pünktlich um 17 Uhr die Veranstaltung.

    Bericht und Fotos: Helmut Walther




    Veranstaltung zum 211. Geburtstag Ludwig Feuerbachs am 28.07.2015
    auf dem Johannisfriedhof Nürnberg

    Zum 211. Geburtstag von Ludwig Feuerbach trafen sich wieder einige Mitglieder und Freunde der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft auf dem Johannis-Friedhof in Nürnberg, um an den Philosophen und sein Werk zu erinnern.

    Dr. Kröner zitierte zwei wichtige Stellen aus dem Werk Ludwig Feuerbachs, die wir hier wiedergeben wollen.

    Das erste Zitat stammt aus Bd. 1, S. 189 der Gesammelten Werke Ludwig Feuerbachs, hg. von Werner Schuffenhauer:
    "Wer von mir nichts weiter sagt und weiß als: Ich bin Atheist, der sagt und weiß soviel von mir als wie nichts. Die Frage, ob ein Gott ist oder nicht ist, der Gegensatz von Theismus und Atheismus, gehört dem achtzehnten und siebenzehnten, aber nicht mehr dem neunzehnten Jahrhundert an. Ich negiere Gott, das heißt bei mir: Ich negiere die Negation des Menschen, ich setze an die Stelle der illusorischen, phantastischen, himmlischen Position des Menschen, welche im wirklichen Leben notwendig zur Negation des Menschen wird, die sinnliche, wirkliche, folglich notwendig auch politische und soziale Position des Menschen. Die Frage nach dem Sein oder Nichtsein Gottes ist eben bei mir nur die Frage nach dem Sein oder Nichtsein des Menschen."

    Das zweite Zitat ist Bd. 10, S. 139 dieser Ausgabe entnommen:
    "Ja, was du nicht sinnlich bist, das bist du auch nicht. Besondere Gedanken, Absichten, Gesinnungen, Affekte kann man verstecken, zurückhalten, aber nicht sein Wesen. Dein Wesen fällt ohne, ja, wider dein Wissen und Willen in die Sinne. Eine Tugend, eine Freiheit, die nicht den Sinnen wohltut, sich nicht schon äußerlich im Gang, in der Haltung, in der Gebärde, im Blick, kurz, im ganzen sinnlichen Wesen des Menschen ausspricht, ist auch nur eine verschrobene oder, erheuchelte oder eingebildete Tugend und Freiheit. Sinnlichkeit ist Wirklichkeit. Im Innern entspringen und wachsen wohl die Früchte des Lebens, aber reif sind sie erst, wenn sie in die Sinne fallen. Das Wesen, das kein Gegenstand der Sinne, ist das Kind im Mutterleibe; erst das sinnfällige, sichtbare Wesen ist das vollendete Wesen. Sinnlichkeit ist Vollkommenheit."

    Aus dem Besitz der letzten Nachkommen von PJA Ritter von Feuerbach, der Familie K. und P. Feuerbach (Lindau), konnte Dr. Kröner eine Kopie des Grabbriefes vom 13. September 1872 vorzeigen, mit dem der Familie Feuerbachs die Grabstelle K 75 auf dem Johannisfriedhof für 100 Jahre übertragen wurde.


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    Bericht und Fotos: Helmut Walther




    Tagesseminar der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft Nürnberg am 25.10.2014 in Nürnberg

    Bereits zum siebten Mal trafen sich die Mitglieder der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft Nürnberg und Gäste zu ihrem jährlichen Seminar mit Themen rund um Ludwig Feuerbach. Aus ganz Deutschland und Österreich reisten Referenten und Teilnehmer an, um sich im Seminarraum des Nachbarschaftshauses Gostenhof mit Aspekten des Lebens und Werks des Philosophen und seinem Umfeld zu befassen.



    Dr. Frank Schulze                 Dr. Dr. Joachim Kahl                         MinDirig. Dieter Hanz                     Matthias Christian Friedel                         Silviana Stubig         Prof. Dr. Peter Dinzelbacher


    Den vormittäglichen Auftakt bildete das Referat von Dr. Dr. Joachim Kahl (Marburg), der sich in Fortsetzung des bis zu Pierre Bayle reichenden philosophiegeschichtlichen Feuerbachschen Werks den französischen Moralisten zuwandte. Bereits in der Definition dieser „Moralistik“ zeigten sich Schnittmengen zu Ludwig Feuerbach; wurden doch deren Forderungen einerseits als kluges Sozialverhalten und verfeinerte Lebensart sowie andererseits als Akzeptanz des Egoismus („der wahren Triebkraft aller Handlungen“) und Selbstkultivierung des Individuums charakterisiert. Der Vortrag konzentrierte sich dabei auf drei wichtige Vertreter: La Rochefoucauld (1613-1680), Montesquieu (1689-1755) und Chamfort (1740-1794), die mit ihren Essays bzw. Aphorismen („Maximen und Reflexionen“) der Gesellschaft des Ancien Régime nicht nur den Spiegel vorhielten, sondern mit ihrer „Entlarvungspsychologie“ vor allem hinter diesen blicken wollten: Denn hehre Worte und schöner Schein verbergen allzuoft ganz andere Motive – vor allem die Eigenliebe kennt ein reiches Arsenal an Verkleidungen, und die höfischen Konventionen der Zeit sind überholt und hohl. Doch die Forderungen der Moralisten nach dem „honnête homme“ (La Rochefoucauld), nach der Begrenzung des Eigennutzes (Montesquieu – mündend in dessen epochale Idee der Gewaltenteilung) und einer Vermittlung zwischen den scharfen Klassenunterschieden (Chamfort) verhallten wirkungslos, und so brach in der französischen Revolution dieser Widerspruch gewaltsam auf. In Deutschland wurde die Moralistik dann nahtlos von Lichtenberg, Schopenhauer und Nietzsche fortgesetzt; und auch Ludwig Feuerbach bediente sich in seiner Religionskritik deren psychologischer Methode, indem er hinter dem selbstentfremdeten Gottesbild die Wünsche und das überhöhte Ich des Menschen entdeckt – und genau wie die Moralisten den „soziablen Egoismus“ zur Grundlage seiner Moralphilosophie macht.

    Ministerialdirigent Dieter Hanz (Bonn) wandte sich mit seinem Vortrag unter dem Titel „Die strafrechtlichen Errungenschaften Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbachs“ (1775-1833), dem Vater und Begründer der „Feuerbach-Dynastie“, zu, aus der so viel begabte Nachkommen hervorgehen sollten. Nach einem Philosophiestudium, in der er sich der Philosophie Immanuel Kants anschloss, wechselte er zur Jurisprudenz und begann früh zu veröffentlichen: Bereits als 26-Jähriger veröffentlichte er 1801 sein „Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts“ mit seinen berühmt gewordenen Formeln „nulla poena sine lege“ bzw. „nulla poena sine crimine“, die im deutschen Grundgesetz (Art. 103 Abs. 2) ebenso Beachtung fanden wie im europäischen Recht (Art. 7 EUG) und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. In Abkehr vom vorhergehenden Irrationalismus fordert Feuerbach eine strenge Trennung von Recht und Moral, Ziel des Strafrechts ist nach ihm weder Vergeltung noch (religiöse) Sühne, sondern allein die Abschreckung. In seinen Betrachtungen „Über Öffentlichkeit und Mündlichkeit der gerichtlichen Verhandlungen“ (1821) stellt er diesen bis heute gültigen Grundsatz auf, um jede heimliche Justiz zu verhindern. Bei aller Kritik, die an den Errungenschaften Feuerbachs geübt werden kann und muss: etwa unangemessene Tatbestände, das Fehlen der Kriterien „Schwere der Schuld“ und „Zurechenbarkeit“, große Härte in der Strafzumessung bis hin zur Beibehaltung der Todesstrafe, überwiegen bei weitem seine vorausweisenden Errungenschaften, zu denen neben den bereits genannten Grundsätzen vor allem auch die Abschaffung der Folter in Bayern (1806) und die Aufhebung der Strafbarkeit von Homosexualität und Gotteslästerung zählen (hingegen trat sein bayer. Vorläufer Kreittmayr in seinem Strafgesetzbuch von 1751 für „Glaubensabfall“ noch die Todesstrafe festgestzt hatte).

    Nach dem Mittagessen in der Cafeteria des NHG stand ein Referat mit spektakulärem Titel „Das Unwesen des Christentums. Der Teufel aus Sicht der Feuerbachschen Philosophie“ an, in welchem der Referent Matthias Christian Friedel (Freiburg) zunächst den auch in der Literatur selten verwendeten Begriff des „Adiabolismus“ erläuterte – am einfachsten zu erklären als Parallele zum Begriff „Atheismus“: Wie letzterer Begriff die Verneinung des Gottesglaubens ausdrückt, ebenso ersterer die Verneinung eines Glaubens an den Teufel. Feuerbach selbst behandelt das Thema „Teufel“ nicht explizit und systematisch, aber an diversen Stellen seines Werks, so insbesondere in seiner Theogonie, kommt sein Adiabolismus zum Ausdruck, dem er sein positives Menschenbild gegenüberstellt: Sodass sein „ausgeprägter philanthropischer Standpunkt ihn daran hinderte, das Teuflische genauer in den Blick zu nehmen und ein homo homini diabolus zu formulieren.“ Als Ursachen für den Glauben an den Teufel wurden vom Referenten herausgearbeitet: Furcht, Verteufelung, Verwünschung, Abwälzung von Schuld, Hass und Beschränktheit, Selbsthass, und natürlich vor allem der Teufel als Gegenspieler Gottes, der so das Theodizeeproblem lösen soll. Zurecht wurde festgestellt: „Die Teufelsgestalt ist somit Wunsch-Dienstleister wie alle anderen Götter bei Feuerbach auch.“ Und auch der Projektionsgedanke findet auf den Teufel wie auf die Götter Anwendung, wie Feuerbach in seinem Wesen des Christtentums schreibt: „[D]er Teufel, der Urheber alles Bösen und Übeln, ist eigentlich nichts als der böse Gott, der Zorn Gottes, personifiziert, vorgestellt als ein besonderes Wesen.“

    Nachdem die Teilnehmer der Einladung der LFG zu Kaffee und Kuchen gefolgt waren, konnten sie an Leib und Seele gestärkt mit dem Vortrag von Silivana Stubig (Rheinbach) einen bild- und filmgestützten Spaziergang in Bad Goisern verfolgen, jenem Ort, an welchen Konrad Deubler (1814-1884) seinen Freund Ludwig Feuerbach 1867 zu Erholungsferien nach seinem ersten leichten Schlaganfall eingeladen hatte. Dieser Besuch wurde nach den Worten von Robert Rauscher (Konrad Deubler. Der Bauer als Philosoph, Wien 2014) „zum strahlenden Höhepunkt“ von Deublers Lebens. Am 20.-22. Juni 2014 wurde dort der 200. Geburtstag des „Bauernphilosophen“ begangen. Die LFG vertrat bei diesem „Welterbefest 2014“ unser Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Stubig mit einem Grußwort. Mit Fotos vom anschließenden „philosophischen Spaziergang“ unterlegt berichtete die Referentin über die einzelnen Stationen, an die sich Ludwig Feuerbach in einem Brief an seinen Duzfreund Deubler im Herbst 1867 mit großer Freude erinnerte. Gezeigt wurden neben dem Wohnhaus und der Gaststätte Deublers auch die „Feuerbach-Villa“, die Deubler an der Stelle errichtet hatte, an der sich der Philosoph so sehr des Blicks in die alpenländische Natur erfreute. Auch wurde das erneuerte Deubler-Denkmal gezeigt, das zugleich an die verschiedenen für Deubler bedeutsamen und von ihm kontaktierten Denker mit originellen Trittsteinen erinnert, natürlich an Ludwig Feuerbach, aber auch D.F. Strauss, E. Haeckl, von Carneri u.a. Im Heimatmuseum des Ortes werden in einem eigenen Raum neben der Bibliothek Deublers weitere viele Erinnerungsstücke gezeigt, darunter einige auch Ludwig Feuerbach betreffende, so die von Schreitmüller gefertigte Büste und eine Original-Fotografie des Philosophen. Und was es in Bad Goisern für Konrad Deubler schon gibt, so regte die Referentin an, könnte ja vielleicht auch einmal in Nürnberg für Ludwig Feuerbach eingerichtet werden: Geocache (eine GPS-gestützte Art Schnitzeljagd), um auf die Wirkungs- und Denkmalstätten des Philosophen in Nürnberg hinzuweisen.


    Feuerbach-Gedenkstein                                     Deubler-Denkmal                                             Feuerbach-Büste                               Feuerbach-Villa


    Den Schlussakkord setzte anschließend Prof. Dr. Peter Dinzelbacher (Salzburg) mit einem groß angelegten Überblick über „Die Widerlegung der Unsterblichkeitsphantasien durch Feuerbach und die kritische Tradition“. Ausgehend von Kant, bei dem die Unsterblichkeit eine Voraussetzung für dessen Sittengesetz ist, sowie dem von Rousseau formulierten „Wunsch nach Untersterblickeit“ wurde darauf hingewiesen, dass bereits antike Autoren wie Epikur und Lukrez gegen solche Wunschbilder argumentiert hatten. Ludwig Feuerbach nahm dies vor allem in seiner ersten (zunächst anonym erschienenen) Publikation „Gedanken über Tod und Unsterblichkeit“ (1830) auf mit der Frage: „Wozu dieses Leben, wenn es noch ein anderes gibt?“ Weder gebe es einen Übergang von der Zeit ins Ewige, noch entspreche die Forderung nach Unsterblichkeit einfachster Logik: Wenn diese nicht vor dem Lebensbeginn bestehe, warum dann nach dessen Ende? Vielmehr sei diese Forderung vor allem verhaltenspsychologisch zu erklären, nämlich als eine Wirkung des Selbsterhaltungstriebes auf der Ebene der Reflexion. Feuerbachs Aufruf daher: „Nicht den Tod schafft ab, sondern die Übel!“ – wie schon Epikur bis hin zu Marx findet er den Lebenssinn in einer erfüllten Diesseitsexistenz und im Fortschritt zu einem besseren Leben in dieser Welt.
    Den zweiten Teil des Referats bildete ein geschichtlicher Überblick über die Zurückweisung der Unsterblichkeitsphantasien im Judentum, bei den Vorsokratikern bis hin zu Demokrit/Epikur, Lukrez, Cicero, Plinius d.Ä., der solche Vorstellungen als „puerilium delenimentorum... commenta" (Erfindungen kindischer Linderungsmittel) bezeichnete. Nicht zuletzt künden bereits Grabinschriften in Griechenland und Rom von einer solchen Einstellung. Pietro Pomponazzi (1462-1525) fand in der Renaissance trotz Schwierigkeiten mit der Kurie den Mut, den Unsterblichkeitsglauben zu verwerfen, wohingegen sich deutsche „Klassiker“ wie Wieland (aus Trostgründen) und Fichte (aus metaphysischer Selbstüberhöhung der Vernunft) sich von diesem nicht verabschieden wollten. In die gleiche Richtung zielte ausgerechnet der Massenschlächter Robespierre in der französischen Revolution, das „vernünftige höchste Wesen“ nicht nur verehrt werden musste, sondern auch der Unstgerblichkeit der Seele bedurfte.
    Zur heutigen Sicht der Dinge hat Ludwig Feuerbach mit seiner Religionspsychologie und dem Projektionsgedanken einen wesentlichen Beitrag geleistet, die dann von Freud weiter ausgearbeitet wurde – Nahtoderfahrungen und „Totenerscheinungen“ werden nicht als Zeichen für eine Unsterblichkeit der Seele gelesen, sondern mit psychiatrischen bzw. naturwissenschaftlichen Methoden angegangen. Zuletzt gedachte der Referent des Schiller-Gedichts Resignation (1786), welcher der Dichter wie folgt Ausdruck gibt (Schluss):

    Zwei Blumen blühen für den weisen Finder,
    sie heißen Hofnung und Genuß.
    „Wer dieser Blumen Eine brach, begehre
    die andre Schwester nicht.
    Genieße wer nicht glauben kann. Die Lehre
    ist ewig wie die Welt. Wer glauben kann, entbehre.
    Die Weltgeschichte ist das Weltgericht.
    Du hast gehofft, dein Lohn ist abgetragen,
    dein Glaube war dein zugewognes Glück.
    Du konntest deine Weisen fragen,
    was man von der Minute ausgeschlagen
    gibt keine Ewigkeit zurück.“



    Nach einer abschließenden Diskussionsrunde spendeten die knapp 30 Teilnehmer anhaltenden Beifall für die interessanten Beiträge der Referenten und eine insgesamt gelungene Veranstaltung.

    Bericht und Fotos: Helmut Walther (Nürnberg)

    Veranstaltung zum 210. Geburtstag Ludwig Feuerbachs am 28.07.2014
    auf dem Johannisfriedhof Nürnberg

    Zum 210. Geburtstag von Ludwig Feuerbach trafen sich wieder einige Mitglieder und Freunde der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft auf dem Johannis-Friedhof in Nürnberg, um an den Philosophen und sein Werk zu erinnern, der die letzten zwölf Jahres seines Lebens hier verbracht hat.

    Nach einem biographischen Überblick zitierte Dr. Kröner eine zentrale Stelle aus dem Werk Ludwig Feuerbachs, die wir hier wiedergeben wollen:

    Vorlesungen über das Wesen der Religion, in: Gesammelte Werke, hg. v. W. Schuffenhauer Bd. 6, S. 30-31
    "Mir war es und ist es vor allem darum zu tun, das dunkle Wesen der Religion mit der Fackel der Vernunft zu beleuchten, damit der Mensch endlich aufhöre, eine Beute, ein Spielball aller jener menschenfeindlichen Mächte zu sein, die sich von jeher, die sich noch heute des Dunkels der Religion zur Unterdrückung des Menschen bedienen. Mein Zweck war, zu beweisen, daß die Mächte, vor denen sich der Mensch in der Religion beugt und fürchtet, denen er sichnicht scheut selbst blutige Menschenopfer darzubringen, um sie sich günstig zu machen, nur Geschöpfe seines eigenen unfreien, furchtsamen Gemütes und unwissenden, ungebildeten Verstandes sind, zu beweisen, daß überhaupt das Wesen, welches der Mensch als ein anderes von ihm unterschiedenes Wesen in der Religion und Theologie sich gegenübersetzt, sein eigenes Wesen ist, damit der Mensch, da er doch unbewußt immer nur von seinem eigenen Wesen beherrscht und bestimmt wird, in Zukunft mit Bewußtsein sein eigenes, das menschliche Wesen zum Gesetz und Bestimmungsgrund, Ziel und Maßstab seiner Moral und Politik mache. Und so wird es, so muß es auch geschehen. Wenn bis jetzt die unerkannte Religion, das Dunkel der Religion das oberste Prinzip der Politik und Moral war, so wird von nun an oder einst wenigstens die erkannte, die in den Menschen aufgelöste Religion das Schicksal der Menschen bestimmen. Aber ebendieser Zweck, die Erkenntnis der Religion zur Beförderung der menschlichen Freiheit, Selbsttätigkeit, Liebe und Glückseligkeit, bestimmte auch den Umfang meiner historischen Behandlung der Religion. Alles, was für diesen Zweck gleichgültig war, ließ ich beiseit liegen. Geschichtliche Darstellungen von den verschiedenen Religionen und Mythologien der Völker ohne Erkenntnis der Religion findet man ja in unzähligen Büchern. Aber ebenso, wie ich schrieb, werde ich lesen. Der Zweck meiner Schriften, so auch meiner Vorlesungen, ist: die Menschen aus Theologen zu Anthropologen, aus Theophilen zu Philanthropen, aus Kandidaten des Jenseits zu Studenten des Diesseits, aus religiösen und politischen Kammerdienern der himmlischen und irdischen Monarchie und Aristokratie zu freien, selbstbewußten Bürgern der Erde zu machen. Mein Zweck ist daher nichts weniger als ein nur negativer, verneinender, sondern ein positiver, ja, ich verneine nur, um zu bejahen; ich verneine nur das phantastische Scheinwesen der Theologie und Religion, um das wirkliche Wesen des Menschen zu bejahen."




    Tagesseminar der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft Nürnberg am 26.10.2013 in Nürnberg

    Das traditionelle Herbstseminar der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft konnte auch im Jahr 2013 wieder in Nürnberg im Kleinen Saal des Nachbarschaftshauses Gostenhof durchgeführt werden; die vier Referate des Tages (ein vorgesehenes fünftes musste wegen plötzlicher Erkrankung des Referenten leider ausfallen) wurden von den ca. 30 Teilnehmern mit großem Interesse aufgenommen, die am Ende der Veranstaltung mit zufriedenem Beifall nicht geizten.


    v.l.n.r.: Dr. Frank Schulze, Dr. Alfred Kröner, Dr. Dr. Joachim Kahl, Hans-Jürgen und Monika Stubig, Helmut Fink

    Nach der Begrüßung durch den Tagungsleiter Dr. Frank Schulze wurde die Reihe der Vorträge rund um Ludwig Feuerbach eröffnet.

    Zunächst stellte Dr. Alfred Kröner unter dem Titel "Das bewegte Schicksal des Feuerbach-Denkmals auf dem Rechenberg bei Nürnberg. Eine nachdenkenswerte Geschichte" seine neuesten Ergebnisse vor, die seine Nachforschungen hinsichtlich der Geschichte des Kenotaphs am Rechenberg erbracht hatten. Für den Nachvollzug der turbulenten Geschichte dieses Denkmals hatte er Einsicht in die Stadtratsprotokolle der Stadt Nürnberg aus den dazu wichtigen Jahren 1928/1929, 1933 und 1955 genommen und konnte so den Verlauf nachvollziehen: Warum nicht die Stadt, sondern eine private Initiative unter Führung des SPD-Oberbürgermeisters Dr. Luppe gegen den Widerstand insbes. der Rechtsparteien (schon damals lautstark dabei: der berüchtigte Julius Streicher) die Errichtung durchsetzte (Enthüllung 21.12.1930); wie die Nazis kaum an der Macht im März 1933 unter Führung des neuen OB Liebel sich sogleich an den Abbau dieser mit "atheistischen Thesen" versehenen "steinernen Badewanne" machten; welch großen Wirbel es nach dem Krieg 1955 vor allem auf christlicher Seite erzeugte (von "unerträglicher Zumutung" der Ehrung eines Atheisten bis hin zum "Untergang des Abendlands" war dort die Rede), als der neue SPD-OB Bärnreuther für die Wiederaufrichtung eintrat. Letztlich konnte diese erreicht werden, so dass die Wiederaufstellung am 4.10.1955 erfolgen konnte – mit der Folge, dass die berühmte Feuerbach-These "Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde" sogleich nächtlich mit Ölfarbe überschmiert wurde.

    Weiter zurück in die Geschichte, zu Zeitgenossen von Ludwig Feuerbach, blätterte Dr. Dr. Joachim Kahl, der den "Beitrag der Brüder Georg  und Ludwig Büchner zur Religionskritik" erläuterte. Nach kurzen biografischen Erläuterungen zu diesen beiden bedeutenden Brüdern aus Darmstadt – hie zum steckbrieflich gesuchten Dichter ("Dantons Tod", "Leonce und Lena", "Woyzeck") und Arzt, der bereits 24-jährig in Zürich an Typhus verstarb, dort zum weithin bekannten wissenschaftlichen Autor ("Kraft und Stoff" – übersetzt in 21 Sprachen!), der sich wie Ludwig Feuerbach durch seine Schriften die universitäre Laufbahn verbaut hatte und 1881 zu den Gründern des Deutschen Freidenkerbundes gehörte – zeigte der Referent direkt an ausgewählten Zitaten der Brüder das religionskritische Potenzial von deren Schriften auf. So erkennt Georg Büchner im Theodizeeproblem den "Fels des Atheismus": denn "das leiseste Zucken des Schmerzes" mache "einen Riss in der Schöpfung von oben bis unten." In dieselbe Kerbe schlägt Ludwig Büchner: "Wozu, fragen wir mit Recht, das Heer der Krankheiten und der physischen Übel überhaupt? Warum diese Masse von Grausamkeiten, von Entsetzlichkeiten, wie sie die Natur täglich und stündlich an ihren Geschöpfen ausübt?"

    Nach der Mittagspause in der Cafeteria des NHG stand das Thema "Sensationeller Fund von sieben bisher unbekannten Feuerbach-Briefen an Konrad Deubler" auf dem Programm: Dr. Alfred Kröner stellte zunächst den "Bauernphilosophen" und langjährigen Freund Ludwig Feuerbachs vor, der für seine aufrechte atheistische Gesinnung in Österreich 4 Jahre im Gefängnis festgehalten wurde und mit vielen wichtigen Persönlichkeiten des Geisteslebens in direktem, meist brieflichem Kontakt stand. Nach Deublers Tod konnte Dodel-Port all diese insgesamt ca. 1.300 Briefe für seine Deubler-Biographie von 1886 benutzen, doch seither waren diese über 100 Jahren verschollen. Im Frühjahr 2013 meldeten sich die letzten Eigentümer dieser Briefe unverhofft bei der LFG, so dass diese bei einem dortigen Besuch in Augenschein genommen werden konnten: In Begleitung von Dr. Kröner konnten Hans-Jürgen Stubig und Monika Stubig die verschlungenen Pfade dieser Briefsammlung bis zum heutigen Tage aufklären und nunmehr den Teilnehmern vorstellen. (Ein schriftlicher Bericht darüber findet sich in der Zeitschrift "Aufklärung & Kritik" 2/2013, S. 160-165.) H.-J. Stubig (Text und Grafik) und M. Stubig (Fotos) zeigten mit einer anschaulichen Präsentation sowohl Fotos der Briefsammlung als auch eine Aufschlüsselung vom komplizierten Weg der Sammlung sowie der darin enthaltenen Kontaktpersonen wie Ernst Haeckel, Wilhelm Bolin, Jakob Moleschott, Karl Robert Kummer, Johann Schreitmüller, Peter Rosegger, Ludwig Anzengruber u.a. Sensationell an diesem Fund kann genannt werden, dass sich in dieser Sammlung auch 7 bisher ganz unbekannte und unveröffentlichte Briefe Ludwig Feuerbachs an Konrad Deubler befanden, die nunmehr hoffentlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können, nachdem die gesamte Sammlung wohl von einer Wiener Bildungsinstitution erworben wurde.


    Einer der beiden gebundenen Briefbände / Der Weg der Briefe zu Dodel-Port

    Nach der Kaffeepause widmete Helmut Fink sich dem Philosophen, Psychologen und Herausgeber der Werke wie einer Biographie Ludwig Feuerbachs unter dem Titel "Ludwig Feuerbach und Friedrich Jodl – Ein indirektes Lehrer-Schüler-Verhältnis?" Dazu ging er zunächst allgemein auf die Bedingungen für die Nachwirkung philosophischer Werke und sodann konkret auf die jener Nachwirkung Ludwig Feuerbachs im Wege stehenden Hindernisse ein; denn bekanntlich geriet letzterer nach 1850 mehr und mehr in Vergessenheit, um schließlich vor allem als "Vorläufer von Marx" von kommunistischer Seite vereinnahmt zu werden. Friedrich Jodl (1849-1914), der nach einer Dissertation über David Hume (1872) in München, Prag und zuletzt Wien Philosophie lehrte, hatte als Empirie und Philosophie verbindender Monist in seiner "Geschichte der Ethik" (1882) bereits ausführlich auf Ludwig Feuerbach Bezug genommen; hierdurch gelangte er in Kontakt mit dessen Freund Wilhelm Bolin, mit dem er die Werke Feuerbachs 1903-1910 neu herausgab. In seiner Monographie über Ludwig Feuerbach (1904), in der er (in Umkehrung der Vorgehensweise von Feuerbach) zunächst dessen Erkenntniskritik und erst dann seine Religionskritik zusammenfasst, bezeichnete er ihn "als der gewaltigste und wichtigste Gegner der Hegelschen Philosophie" und dessen idealistischer Spekulation und hob die Verbindung von Philosophie, Psychologie und Anthropologie bei ihm hervor – ein auch heute noch aktueller Grundgedanke.

    Auch dieses Mal zeigten sich die Teilnehmer am Seminar wieder hoch zufrieden, und so gilt eine Fortsetzung dieser erfolgreichen Veranstaltung auch im Jahr 2014 als sicher.

    Bericht und Fotos: Helmut Walther




    Veranstaltung zum Geburtstag Ludwig Feuerbachs am 28.07.2013
    auf dem Johannisfriedhof Nürnberg

    Zum 209. Geburtstag von Ludwig Feuerbach - die NÜRNBERGER NACHRICHTEN hatten eine Einladung dazu veröffentlicht - trafen sich auch diesmal wieder Mitglieder und Gäste der Nürnberger Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft e.V. am Grabe des Philosophen auf dem Nürnberger Johannisfriedhof, um mit der Niederlegung eines Blumengebindes das Andenken des Denkers zu ehren. Dr. Kröner erinnerte mit einer kleinen Rede und Zitaten aus Ludwig Feuerbachs Schriften an Leben und Werk des menschenfreundlichen Denkers; in seiner Ansprache erläuterte er bedeutsame Stellen aus dem "Epilog" Ludwig Feuerbachs, der in "Kleinere Schriften IV" der Gesammelten Werke, hg. von Werner Schuffenhauer, Band 11, S. 244 ff. enthalten ist; dieser Text steht im Zusammenhang mit seiner These aus der "Theogonie" und entfaltet nochmals die Entstehung der Götter/des Gottes aus dem Wunschdenken der Menschen:

    Das Bewußtsein meiner Endlichkeit ist das schmerzliche Bewußtsein meiner Ohnmacht, meines Unvermögens, zu sein, was ich sein, zu können, was ich können will. Wollen und doch nicht Können – welch ein unerträglicher Widerspruch, welch eine unausstehliche Halbheit! Notwendig – wenn auch nur notwendig auf diesem Standpunkte des Ursprungs des Theismus – denke oder glaube ich daher ein Wesen, in dem dieser Widerspruch aufgehoben, diese Halbheit ergänzt ist. Dieses Wesen, das ganz ist, was ich nur zur Hälfte bin, ist eben das unendliche, das allmächtige Wesen, d. h. das Wesen, welches ist, was ich nicht bin, aber sein will, kann, was ich nicht kann, aber können will. Wenn mein Können und Wünschen zusammenfiele, so wüßte ich nichts von einem Gotte im Unterschied von mir, weil ich selbst Gott wäre; denn wer alles kann, hat auch alles. ... Das Tier weiß nichts von Gott, weil sein Verlangen nicht über sein Können geht. Das Tier will nur, was es kann; der Mensch will auch, was er nicht kann, er wünscht; Gott kann, was er will, sein Können ist so weit, so unbeschränkt als sein Wollen. ...
    Gott tut oder kann, was er will, das heißt in Wahrheit, im Ursprung: was der Mensch will, aber nicht kann; denn eben nur aus dem peinlichen Zwiespalt zwischen meinem Können und Wollen entspringt mir die Vorstellung eines Wesens, welches kann, was ich will, aber nicht kann, und ebendeswegen ein unendlich höheres und vollkommneres Wesen als der Mensch ist, die Vorstellung also eines Gottes. Ein Wesen, welches kann, was ich selbst nicht zu können begehre oder versuche, kann ich unmöglich als ein über mir stehendes fassen und schätzen; nur gleiches Wollen bei ungleichem Vermögen gibt einen Maßstab zur Wertschätzung, zur Über- und Unterordnung. Nur wenn ich selbst ein Maler sein will, kann ich einen Raphael über mich stellen, weil er kann, was ich nicht kann, aber können möchte. Der Ausspruch der Bibel: "Bei Gott ist kein Ding unmöglich", findet daher seinen Sinn erst in dem Ausspruch derselben: "Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich." Können, was man will, heißt Herr sein; Gott sein und Herr sein ist daher eins. ... Gott ist Herr des Lebens und Todes, Herr der Natur, kurz, Herr von allem, wovon der Mensch nicht Herr ist, aber Herr sein möchte. Der Mensch will, daß es regne, wenn vor Hitze seine Felder und Wiesen verdorren, umgekehrt, daß die Sonne scheine, wenn sie von anhaltender Nässe zugrunde gehen. Aber der Mensch hat nur den Willen, das Können hat Gott.

    Dr. Kröner bei seiner Ansprache und einige Teilnehmer an diesem Treffen zu Ehren Ludwig Feuerbachs (Fotos und Bericht: Helmut Walther)




    Paul Johann Anselm von Feuerbach

    Bericht über die Exkursion nach Frankfurt am 01.06.2013
    zum Grab von PJA von Feuerbach an seinem 180. Todestag

    Seit längerem hat die LFG Nürnberg die Pflege des Grabes auf dem Frankfurter Hauptfriedhof übernommen,
    in welchem der am 29. Mai verstorbene Vater des Philosophen am 31.05.1833 seine letzte Ruhe gefunden hat.
    Anlässlich seines 180. Todestages fanden sich Mitglieder und Gäste der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft
    aus vielen Gegenden Deutschlands in Frankfurt zusammen, um mit der Niederlegung eines Blumengebindes
    das Andenken dieses großen Rechtsgelehrten zu ehren.

    Hier finden Sie einen ausführlichen Bericht und Bilder über die Veranstaltung..


    Foto: Monika Stubig




    Unser Gründungsmitglied und langjähriger Beirat der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft e.V.

    Prof. Dr. Johannes Neumann

    ist am 05.05.2013 im Alter von 84 Jahrennach langer schwerer Krankheit im Kreis seiner Familie verstorben.
    Seit 1995 gehörte er auch dem Gremium der Mitherausgeber von A&K an und trat immer wieder als Autor kritischer Texte zum Verhältnis von Kirche und Staat hervor.
    Der Vorstand der LFG gedenkt des bekannten Soziologen und Religionskritikers in Dankbarkeit.
    Lesen Sie einen ausführlichen Nachruf von Michael Schmidt-Salomon bei hpd online.




    Tagesseminar der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft Nürnberg am 27.10.2012 in Nürnberg

    Auch im Jahr 2012 konnte die Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft Nürnberg wieder ihr Herbstseminar in Nürnberg im Kleinen Saal des Nachbarschaftshauses Gostenhof durchführen; insgesamt ca. 30 Teilnehmer nahmen vier Referate mit großem Interesse auf und freuten such über eine so interessante wie informative Veranstaltung, die von den Nürnberger Nachrichten vom Tage wie unten zu sehen angekündigt war.


    Die Referenten von links: Dr. Michael Jeske, Dr. Josef Winiger, Tagungsleiter Dr. Frank Schulze, Ministerialrat Hans-Jürgen Stubig, Dr. Alfred Kröner


    Nach der Begrüßung durch den Tagungsleiter Dr. Frank Schulze und einer Vorstellungsrunde der Teilnehmer begann die Reihe der Referate rund um Ludwig Feuerbach:

    Dr. Josef Winiger eröffnete die Tagung mit dem Thema: Die Feuerbachbegeisterung der Frühsozialisten als zeitgeschichtlicher Kontext der Marxschen ‚Thesen über Feuerbach’ und schilderte die Herkunft des zunächst überraschenden gewaltigen Interesses an der Philosophie Feuerbachs in den Jahren zwischen 1844-1848. Der rasante Einzug der Industrialisierung in Deutschland erzeugte Armut und Verzweiflung in weiten Teilen der Bevölkeung (Weberaufstand!), in den Städten entstand ein proletarisches Arbeitsheer, das unter härtesten Bedingungen sein Leben fristete, und so war dieser gesellschaftlichen Entwicklung mit den Gedanken der idealistischen und romantischen Philosophie nicht gedient. Insbesondere Marx erkannte in dieser Lage die Sprengkraft der Philosophie Feuerbachs, in der das Heil des Menschen im Diesseits gefordert und jede jenseitige Vertröstung abgelehnt wurde - ja er sah in ihr die "philosophische Grundlage des Kommunismus", weil in ihr der Prozess der Selbstentfremdung des Menschen aufgezeigt wurde, der sich nicht nur ins Religiöse, sondern vor allem auch ins Gesellschaftliche wenden ließ: Demgegenüber galt es eine neue "Aneignung" bzw. Entwicklung des wirklichen menschlichen Wesens "durch und für den Menschen" in der realen Praxis zu bewirken als "Entfaltung des Gattungswesens", sprich, in der Ermöglichung einer gelungenen menschlichen Existenz aller Individuen - und damit der Aufhebung der Entfremdung.

    Dr. Michael Jeske zog sodann in seinem Referat Feuerbach und Freud – Von der psychologischen Erklärung der Religion zur Psychologie des Unbewussten die hauptsächlichen Traditionslinien von Feuerbach zu Freud - hatte letzterer doch in einem Brief Feuerbach als denjenigen Philosophen bezeichnet, den er am meisten verehre. Drei Punkte stellte der Vortrag heraus:
    1. Feuerbachs Philosophie des Leibes als Einheit von Sinnen und Verstand, in der die Liebe zum Beweis der Außenwelt wird (A. Schmidt: Die "Einver-Leib-ung der Vernunft") - dies führt hin zur Freudschen Trieblehre, in der der Trieb als Vermittlung zwischen Seelischem und Körperlichen figuriert.
    2. Feuerbachs psychologische Erklärung der Religion: Insbesondere in seinen Heidelberger Vorlesungen zum "Wesen der Religion" ist der Philosoph dem "Geheimnis der Religion" auf der Spur als einer "Verbindung von Bewusstem und Unbewusstem in ein und demselben Wesen" - und arbeitet mit der Formulierung vom Menschen als eines "Fremdlings im eigenen Wohnhaus" der berühmten Freudschen Aussage vor, dass der Mensch nicht Herr im eigenen Hause sei. "Das Ich ist nichts ohne das Nicht-Ich" [Freud: das "Es" - das Unbewusste] - das ist für Feuerbach der "Ursprung des religiösen Gefühls"; denn aus dem Unbewussten erwächst die "theogonische Kraft kollektiv gehegter Wünsche" (Jeske), die Feuerbach ausführlich in seiner Theogonie schildert.
    3. Insbesondere in der soeben angesprochenen Theogonie Feuerbachs finden sich überraschende Parallen zu Freuds Auffassung zur Herkunft und Funktion des menschlichen Gewissens: Was ersterer als "alter ego, das andere Ich im Ich" beschreibt, nennt Freud später das Überich aus der Internalisierung von äußeren Konditionierungen.

    Hans-Jürgen Stubig berichtete in seinem Vortrag Zum 180. Todestag des Ritters von Feuerbach. Erhalt der Grabstätte eines bedeutenden Rechtsgelehrten zunächst - unterstützt von einer ausgezeichneten Powerpoint-Präsentation - über den Lebensgang und die Stationen des Gründers der begabten Familien-Dynastie der "Feuerbäche", Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach, der als bayer. Jurist vor allem mit seinem wegweisenden Strafgesetzbuch weit über Deutschland hinaus reichende Berühmtheit erlangte.

    Der zweite Teil des Vortrags widmete sich der Geschichte des Grabes in Frankfurt, in welchem PJAF von Feuerbach nach seinem überraschenden Tod am 29.05.1833 bestattet wurde. Dieses Grab gehörte der Familie Ruland, in die seine Tochter Rebekka Magdalena eingeheiratet hatte - um sich mit dieser zu versöhnen, war PJAF nach Frankfurt gereist.

    An Hand seines Studiums der Grabakte konnte der Referent das Schicksal dieses Grabes eruieren und schießlich im Laufe umfangreicher Verhandlungen erreichen, dass die Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft e.V. die Patenschaft für dieses übernehmen konnte - das damit als wohl einziges sowohl ein Ehrengrab der Stadt Frankfurt ist als auch im Rahmen einer Patenschaft betreut wird.

    Dr. Alfred Kröner referierte über Die letzte Lebens- und Schaffensperiode Ludwig Feuerbachs in Nürnberg 1860-1872 und berichtete zunächst über den Umzug der Familie (27./28.09.1860) von Bruckberg nach Rechenberg bei Nürnberg, wohin sich die Familie wandte, weil zwei seiner Schwestern und der Bruder Friedrich in Nürnberg lebten. Ebenso versprach man sich eine Weiterbildung der Tochter Eleonore. Dabei wies er die immer wieder kolportierte Mär von einer Verarmung Ludwig Feuerbachs zurück: Zwar hatte die Familie durch den Konkurs der Porzellanfabrik in Bruckberg ihr gesamtes Vermögen verloren, aber die Unterstützung von Freunden und Gönnern sowie die regelmäßigen Zahlungen der Schiller-Stiftung sicherten der Familie bis zum Tod des Philosophen eine bürgerliche Existenz im am Rechenberg angemieteten Haus (jährliche Miete: 100 fl.), in dem die Familie den ersten Stock bewohnte.

        
    Ludwig Feuerbach (Foto)

    Rechts das von den Feuerbachs bewohnte Haus (1. Stock) am Rechenberg

    In Nürnberg gehörte Feuerbach verschiedenen Vereinen an, so dem (liberalen) Bürgerverein, der Naturhistorischen und dem Literarischen Verein; hier fand er auch neue Freunde (Enno Hektor vom GNM, Karl Scholl, Cramer-Klett, Konrad Deubler) und empfing Besuche von alten Freunden (den Herweghs, Wilhelm Bolin, Blind, Khanikoff, Beierlacher u.a.).
    Nach einem zweiten Schlaganfall im Juli 1870 verstarb Ludwig Feuerbach schließlich am 13.09.1872.
    Der Nürnberger Zeit des Philosophen gehören verschiedene Schriften an, die im Band 10 der Sämmtlichen Werke vereint sind, so vor allem zum "Geheimnis des Opfers" ("Der Mensch ist, was er isst."), oder "Über Spiritualismus und Materialismus", Aphorismen "Zur Unsterblichkeitsfrage" - und seine unvollendet nachgelassene Schrift "Zur Moralphilosophie", die letzte wichtige philosophische Schrift.

    Natürlich war auch für das leibliche Wohl der Teilnehmer gesorgt, ein Mittagessen in der Cafeteria des NHG sowie eine Kaffeepause sorgten unter munteren Gesprächen für entsprechenden Nachschub an Energie.

    Nach einer lebhaften Schlussdiskussion zeigten sich die Teilnehmer hochzufrieden mit dem Gehörten und Gesehenen - wenn möglich sollen die Referate im nächsten Jahr in der Zeitschrift "Aufklärung & Kritik" unserer Schwestergesellschaft Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg publiziert werden.

    Bericht: Helmut Walther
    Fotos von der Veranstaltung: Helmut Walther



    Berichte der Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung über unsere Schriftenreihe Nr. 3

    Dankwenswerter Weise berichteten beide Nürnberger Zeitungen teils recht ausführlich über unsere Schwerpunktausgabe 2012 zu Ludwig Feuerbach; den Bericht der Nürnberger Nachrichten vom 03.09.2012 können wir Ihnen hier vorstellen.
    In der Nürnberger Zeitung vom 13.09.2012 schrieb Raimund Kirch zum 140. Todestag von Ludwig Feuerbach unter anderem:
    "Der Mensch ist des Menschen Gott. Warum Ludwig Feuerbach ein spiritueller Mensch war.
    Am 13. September 1872, also heute vor genau 140 Jahren, verschied im Alter von 68 Jahren in Rechenberg bei Nürnberg Ludwig Andreas Feuerbach. Der Philosoph und Anthropologe, dessen Religionskritik nicht nur Karl Marx und Friedrich Engels beeinflusst hat, starb krank, verarmt, doch nicht vergessen.
    Ein langer Trauerzug von Sozialdemokraten und Freidenkern begleitete seinen Sarg vom Egidienplatz zum Nürnberger Johannis-Friedhof, wo er im südlichen Teil, nahe der Mauer, seine letzte Ruhe fand.
    Die Zeitschrift „Aufklärung und Kritik“ hat ihre diesjährige Broschüre Nummer 3 Ludwig Feuerbach gewidmet. In den Beiträgen u. a. von Hubertus Mynarek, Ludger Lütkehaus, Joachim Kahl und Alfred Kröner wird dem Leben des Freigeists nachgespürt, aber auch sein Umfeld ausgeleuchtet. So handelt ein gut recherchierter Beitrag auch von Feuerbachs Neffen, dem Maler Anselm Feuerbach (1829–1880), der ebenfalls auf dem Johannis-Friedhof begraben liegt."
    Soweit die NZ, den gesamten Bericht finden Sie mit diesem Link.



    Audio-Sendung des WDR zum 140. Todestag von Ludwig Feuerbach

    Der Religionskritiker - MEDIATHEK - WDR.de
    Ludwig Feuerbach hatte mit seinem Bestseller "Das Wesen des Christentums" 1841 für Furore gesorgt. "Der Mensch", so die Hauptthese, "schuf Gott nach seinem Bilde", weshalb es auch keinen Schöpfer gebe. Der Skandal befeuerte nicht zuletzt die Revolutionäre von 1848. Feuerbach selbst hielt sich mit direktem politischen Engagement zurück.
    Ein Beitrag von Christoph Vormweg, 13.09.2012
    Hier entlang zur Seite des WDR!



    Veranstaltung zum Geburtstag Ludwig Feuerbachs am 28.07.2012
    auf dem Johannisfriedhof Nürnberg

    Im Jahr des 140. Todestages von Ludwig Feuerbach trafen sich auch diesmal wieder Mitglieder der Nürnberger Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft e.V. am Grabe des Philosophen auf dem Nürnberger Johannisfriedhof, um mit der Niederlegung eines Blumengebindes das Andenken dieses Denkers zu ehren. Dr. Kröner (Bild unten 3.v.l.) erinnerte mit einer kleinen Rede und einem Zitat aus Ludwig Feuerbachs "Kleineren Schriften" an Leben und Werk des menschenfreundlichen Denkers, der seine letzten Lebensjahre in Nürnberg verbrachte.

    Hier einige Teilnehmer an diesem Treffen am Grabe von Ludwig Feuerbach (Fotos und Bericht: Helmut Walther)






    Der Mitbegründer und langjährige Ehrenvorsitzende der LFG,
    Herausgeber der Gesammelten Werke von Ludwig Feuerbach,


    Prof. Dr. Werner Schuffenhauer

    ist am 23. Februar 2012 im Alter von 81 Jahren verstorben.
    Nachruf zum Tode von Prof. Dr. Werner Schuffenhauer
    Nachruf des Humanistischen Pressedienstes



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    Letzte Aktualisierung der Seite: 16.03.2013


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