Aktuelle Berichte
über Ludwig Feuerbach
und Aktivitäten
der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft






Kurzbericht zur Stadt(ver)führung am 19.09.2020 auf dem Johannisfriedhof Nürnberg am Cramer-Klett-Grab

   

Am Samstag, den 19.9.2020, und am Sonntag, den 20.9.2020, fand im Rahmen der diesjährigen "Stadt(ver)führungen” unter dem Motto "Glücksbringer” jeweils die Führung „Theodor von Cramer-Klett als Glücksbringer für Ludwig Feuerbach und Nürnberg“ statt.
An beiden Tagen erfuhr eine interessierte Zuhörerschaft (von unserem Vorstandsmitglied Ulrike Ackermann-Hajek) am imposanten Grabmal Cramer-Kletts Wesentliches aus dessen Biographie und dessen Verdienste um die Stadt Nürnberg. Daneben wurden die Verbindungen Cramer-Kletts zu Ludwig Feuerbach aufgezeigt und schließlich seine wichtige Rolle in der Biographie des Philosophen dargelegt. Am Grab Ludwig Feuerbachs endete die Führung mit einigen passenden Aussagen des Philosophen zum "Glück".



Treffen am Grab Ludwig Feuerbachs zum 216. Geburtstag am Sonntag, 28. Juli 2020, 17.30 Uhr im Johannisfriedhof Nürnberg


Mitglieder und Freunde der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft Nürnberg e.V. trafen sich auch dieses Jahr trotz der Corona-Problematik (und mit Sicherheitsabstand) wieder am Grab Ludwig Feuerbachs zu einer kleinen Gedenkveranstaltung.
Zunächst begrüßte der Erste Vorsitzende der LFG, Helmut Fink, die recht zahlreich erschienenen Teilnehmer; anschließend stellte Ulrike Ackermann-Hajek Gedanken Ludwig Feuerbachs mit Bezug auf die aktuelle Lage etwa im Hinblick auf Verschwörungstheorien, aber auch unseren Umgang mit der Natur und unser gesellschaftliches Verhalten vor. Die gesamte Ansprache mit verschiedenen Zitaten zum Thema können Sie hier einsehen.
Danach trug Frank Riegler ein Zitat von Friedrich Rückert vor, der sich darin ganz im Geiste von Ludwig Feuerbach geäußert hat; zum Abschluss ergriff J. Pommerrenig das Wort und zitierte Aussagen hinsichtlich der Existenz Gottes von Dietrich Bonhoeffer im KZ 1944, der sich darin direkt auf Ludwig Feuerbach bezog.
Das schöne Wetter lud viele Teilnehmer zu einem gemütlichen Zusammensein im Hesperidengarten ein - womit eine gelungene Veranstaltung endete.



Bericht vom Tagesseminar der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft am 26.10.2019 in Nürnberg

Auch dieses Jahr führte die Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft in Nürnberg wieder eine Veranstaltung mit mehreren Vorträgen durch.
Ulrike Ackermann-Hajek, Dr. Michael Jeske, Prof. Dr. Ursula Reitemeyer-Witt, Helmut Walther und Dr. Josef Winiger referierten zu verschiedenen Themen der Philosophie und aus dem Leben Ludwig Feuerbachs.
Hier können Sie diesen Bericht einsehen..




Dr. Alfred Kröner, langjähriges Vorstandsmitglied der LFG und verdienter Feuerbachforscher verstorben


Am 17.10.2019 ist eines unserer wichtigsten und aktivsten Mitglieder im Alter von 84 Jahren verschieden.
Hier können Sie Nachrufe von Helmut Walther (langjäghriger LFG-Vorsitzender) und der Nürnberger Nachrichten einsehen.



Treffen am Grab Ludwig Feuerbachs zum 215. Geburtstag am Sonntag, 28. Juli 2019, 17.30 Uhr im Johannisfriedhof Nürnberg

Mitglieder und Freunde der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft Nürnberg e.V. trafen sich auch dieses Jahr wieder am Grab Ludwig Feuerbachs zu einer kleinen Gedenkveranstaltung. Zunächst begrüßte der Erste Vorsitzende der LFG, Helmut Fink, die trotz regnerischen Wetters gekommenen Teilnehmer; danach stellte Ulrike Ackermann-Hajek Gedanken Ludwig Feuerbachs mit Bezug auf moderne Phänomene wie KI und Transhumanismus vor - dachte dieser doch bereits "evolutionär", wie wir heute sagen würden: "Die Geschichte der Menschheit besteht in nichts anderm als einer fortgehenden Überwindung von Schranken – ... Unbeschränkt ist die Gattung, beschränkt nur das Individuum." Die gesamte Ansprache mit verschiedenen Zitaten zum Thema können Sie hier einsehen.
Zum Abschluss ergriff J. Pommerrenig das Wort und verwies auf den strikten Diesseitsbezug von Ludwig Feuerbach, wie er etwa in seinen Heidelberger Vorlesungen zum Ausdruck kommt, die seinen damaligen Hörer Gottfried Keller so sehr beeindruckten, dass er des Philosophen in einem Gedicht gedachte; ein gut passendes Sonett von Andreas Gryphius über die Vergänglichkeit des Lebens ("Wie eine Rose blühet") beendete diesen Kurzvortrag.
Pünktlich zum Ende der Veranstaltung setzte heftiger Starkregen ein, sodass das gemütliche Zusammensein ins Innere der Gaststätte Hesperidengarten verlegt werden musste.



Bericht vom Tagesseminar der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft am 27.10.2018 in Nürnberg


Helmut Fink, Prof. Dr. Eckart Voland, Dr. Claudia Dalla Rosa Soares, Ulrike Ackermann-Hajek, Dr. Frank Schulze, Prof. Dr. Bernd Schmidt

Das diesjährige Tagesseminar der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft stand weitgehend unter dem Schwerpunkt "Religionskritik" – was war Feuerbach Ansatz, was hat sich bewahrheitet und gilt heute noch – oder immer noch nicht?

Nach Klärung der organisatorischen Fragen und einer Programmumstellung des ersten Teils begann Prof. Dr. Eckart Voland aus Gießen mit "Ein evolutionär anthropologischer Blick auf Feuerbachs Religionskritik". Der Referent ging von der Frage aus, warum Gläubigkeit so hoch im Kurs stehe, trotz aller materiellen und immateriellen Kosten für die Menschen. Um die transkulturelle Universalie "Religion" unter evolutionären Gesichtspunkten beleuchten zu können, wurde nach der Unterscheidung von Religiosität, Gläubigkeit und Religion festgestellt, dass "Religiosität" als mentale Fähigkeit Gegenstand der Naturgeschichte sei – und damit der Gegenstand des Vortrags.
Als ersten Zusammenhang stellte Dr. Voland den von Kognition und Religiosität mit Hilfe evolutionspsychologischer Untersuchungsergebnisse aus den letzten 20 Jahren her. Deren Ergebnisse weisen darauf hin, dass Kinder "intuitive Theisten" seien, die erst konsequent dualistisch und teleologisch final denken, später immer einen Handelnden zu den Ereignissen suchen. Das führt zum "kognitiven Imperativ" – nicht nur bei Kindern: Die Menschen müssen Generalisieren, Rationalisieren, Konfabulieren, um aufgetretene Unsicherheiten oder Lücken in ihrem Weltbild zu schließen ("jump to closure"). Die Projektionsthese Feuerbachs wird gestützt durch die moderne Evolutionspsychologie.
Außer der Projektion bringt Feuerbach auch die Idee in den Diskurs ein, dass Religiosität eine Strategie sei, durchs Leben zu kommen. So wurde hier untersucht, ob und wie sich Spiritualität und Frömmigkeit für den Einzelnen positiv im Leben auswirken. Außer auf die körperlichen Auswirkungen mentaler Zustände wie Meditation, Hypnose, Trance oder Ekstase, z.B. für die Schmerzregulation, wurden auch für die psychische Stabilisierungsfunktion von Gläubigkeit einige Beispiele gebracht. Abgeschlossen wuirde mit dem Feuerbach-Zitat: "Gäbe es keine Not, so gäbe es keine Götter."
Ein weiterer Nutzen der Religiosität wurde in Bezug auf die soziale Bindung und die personale Identität erarbeitet, mit dem Schwerpunkt der Wirkung "sozialer Kitt" nach innen, Abgrenzung nach außen. Als dieser Kitt können Mythen gemeinschaftsstiftend wirken, als gemeinsame Erinnerung und gemeinsames "Wissen", ebenso wie Rituale. Die große Bedeutung der Religionen bei der Stiftung von Ritualen wurde am Beispiel "Krieg" – als notwendige Betonung der Gruppeninteressen gegenüber dem Individualismus - gezeigt. Außerdem gäbe eine religiöse Einbettung der Ereignisse immer Sicherheit: Die Religion des Siegers wird zum Schwert, die des Verlierers zum Schild.
Das Stichwort "Ehrliche Signale" wurde im Zusammenhang mit der "Tüchtigkeit" von Lebewesen erklärt und ihren Möglichkeiten, z.B. für die Partnerwahl, mit ihren Stärken groß rauszukommen. Die dabei entscheidenden Merkmale sind jeweils solche, die nicht gefälscht werden können – also "ehrliche Signale". In diesem Sinn ist gelebte Religiosität auch teuer, aber wirkungsvoll. Sie schafft Kooperation, verkleinert das Schwarzfahrerproblem und verpflichtet auf eine gemeinschaftliche Moral – das ergibt nach außen oder für Partner Wirkungen der Verlässlichkeit und Sicherheit.
Mit dem Zusammenhang Moral und Religiosität befasst sich der letzte Punkt in Dr. Volands Vortrag. Problemstellung: Wer bestraft Nicht-Sanktionierer von Schwarzfahrern? Als wirkungsvoll habe sich die Einführung des "Auges Gottes" erwiesen. Dieser Effekt eines symbolischen Beobachtetwerdens würde durch verschiedene psychologische Experimente belegt. So entständen in religiösen Gemeinschaften Vorteile in der Langzeitkooperation.
Diese Kosten und der Nutzen der Religiosität wurden in einer letzten Tabelle zusammengefasst und erläutert, mit dem Fazit, dass Religiosität nur im Bereich Kognition keine besondere Wirkung erziele, da Religiosität und Wissenschaft zwei verschiedene kognitive Systeme seien. In allen anderen Bereichen ist Religiosität ein Anpassungsvorteil. Nach der abschließenden Wertung dreier Feuerbach-Zitate zur Religion kam das Fazit: Wenn Religiosität Naturgeschichte hat, dann können wir erwarten, dass Aufklärung und Wissenschaft sie niemals verdrängen können.

Die zweite Referentin war Dr. Claudia Dalla Rosa Soares aus Berlin. Ihr Thema hieß "Feuerbachs Entwicklung des Menschlichen. Anthropologische und ästhetische Aspekte im Wesen des Christentums". Ihr Ziel war es aufzuzeigen, wie bei Feuerbach aus der Kritik der Theologie eine positive Anthropologie entsteht. Außerdem war es ihr ein Anliegen, Feuerbachs eigene Philosophie zu würdigen, ihn nicht nur als Hegelkritiker oder Marx-Nietzsche-Freud-Vorläufer zu sehen, sondern seine Philosophie als eine Theorie des lebendigen Menschen ins Bewusstsein zu rücken.
Zunächst stellte sie ihre Untersuchungen zu Feuerbachs Ästhetik vor. Obwohl er eine solche explizit nicht entwickelt habe, fänden sich viele Reflexionen über Kunst und ihre Wirkung auf den Menschen in seinen Werken. So bildet die Beschäftigung mit religiöser Kunst darin einen Schwerpunkt, in der Hinsicht, dass Motive und Motivationen der Künstler wie der Rezipienten untersucht werden, mit dem Fazit: Die Kategorie der Schönheit sei die wesentliche Kategorie der Kunst. Somit seien alle Kunstwerke Selbstzweck und auch die mit religiösen Motiven sind "Menschheitsbesitz", kein Kirchenbesitz.
Der bekannte Satz Feuerbachs "Das Geheimnis der Theologie ist die Anthropologie" wird von der Referentin zum nächsten Schwerpunkt gemacht. Sie erläutert seine genaue Bedeutung und Ableitung mit vielfachen Bezügen aus Feuerbachs Werk. Auch Feuerbachs Darstellung der religiösen Entwicklung als wesentlicher Teil der kulturellen Entwicklung wird ausführlich referiert, bis hin zu dem Ergebnis, dass die "Prädikate" des christlichen Gottes "Subjekte" der Anthropologie werden müssen, Gott als Gattungsbestimmung wahrgenommen werden müsse. Der Zweck der Religion müsse das Glück der Menschen sein, sie sei die Offenbarung seiner Wünsche und Träume.
Bei der abschließenden Würdigung der drei Komponenten Kunst – Religion – Ästhetik wurden die der Religionskritik impliziten Bezüge zur Kunst nochmals anders beleuchtet: nämlich als Grundkomponenten der Philosophie der Zukunft. Zu der von Feuerbach geforderten Notwendigkeit der Wiedereinsetzung der Sinnlichkeit, der Phantasie und des "Gemüts" in der neuen Philosophie wird Feuerbachs Aussage, dass die Ästhetik die "prima philosophia" sei, in Beziehung gesetzt. Die Philosophie, entstanden aus dem Versuch, außerhalb der Religion die Frage nach dem "Woher der Welt" zu beantworten, durch Beobachtung der Natur, begann also mit der ästhetischen Anschauung, habe somit einen sinnlichen Anfang. Die Theorie beginne mit einem Blick in den Himmel. "Der Mensch ist sich selbst nur durch die Sinne gegeben. Auch das Ich ist Gegenstand der Sinne". Die "Philosophie der Zukunft" müsse dem Menschen Antworten geben auf seine existentiellen Fragen, so wie bisher die Religion, die zeitgenössische idealistische Philosophie seit Kant und Hegel sei zu vernunftbetont.


Aufmerksame Teilnehmer der Referate

Im ersten Vortrag nach der Mittagspause stellte Ulrike Ackermann-Hajek Feuerbachs Frühwerk "Abälard und Héloise – oder der Schriftsteller und der Mensch Eine Reihe humoristisch- philosophischer Aphorismen" vor. Die Referentin hatte ihren Vortrag in Anlehnung an diesen sperrigen Titel gegliedert und begann mit einer Begriffsklärung des Aphorismus. Nach einer kurzen biographischen Einordnung dieses 1834 veröffentlichten Werkes begann dessen Vorstellung unter dem Gesichtspunkt, dass Feuerbach darin die Aussichten und Ansichten eines Schriftsteller-Daseins von verschiedenen Perspektiven aus beleuchtet, und so seine eigene Entscheidungsfindung reflektiert. Zunächst wurde anhand des Vorworts Feuerbachs eigene Sicht auf den Aphorismus und den Humor, und deren Funktion vorgestellt, ehe Inhalt und Gehalt der Aphorismen dem Publikum nahe gebracht wurden. Die behandelten Themen reichten dabei von Büchern und der Wirkung von Literatur über Gesellschaftssatire und das Verhältnis von Leben und Geist oder Sinnlichkeit und Vernunft, oft gestaltet als innere Diskussionen des Schriftstellers. Dabei wurde Feuerbachs Methode in diesem Werk erläutert, den Geist als "Schriftsteller" und die Sinnlichkeit als "Menschen" zu personifizieren. Im letzten langen "Aphorismus" diskutieren die beiden personifizierten Antriebe in einem Briefwechsel ihre jeweiligen Maximen und bringen schließlich durch die Liebe, die Vereinigung, den echten Schriftsteller hervor. Das für "Liebe" gewählte Bild ist eben Héloise. Hiermit endete die Werkvorstellung. Nach einer Darstellung der Tradierung der Geschichte von Abälard und Héloise bildete die Einordnung dieses Frühwerks in Feuerbachs Gesamtentwicklung den Abschluss. Dies geschah anhand Feuerbachs eigener Einordnung, der einen Weg sah von "Gedanken über Tod und Unsterblichkeit" (1832) über "Abälard und Héloise" (1834) bis hin zur Überarbeitung der "Gedanken über Tod und Unsterblichkeit vom Standpunkt der Anthropologie" (1846), nämlich dass er das erste Werk als Philosoph, das zweite als Humorist und das dritte als Mensch geschrieben habe. Bei diesem Vortrag war also der Humorist Feuerbach kennenzulernen.

Im zweiten Vortrag des Nachmittags stellte Dr. Frank Schulze den Dichter Georg Herwegh und dessen Freundschaft mit Ludwig Feuerbach unter dem Titel "Ludwig Feuerbach und Georg Herwegh" in den Mittelpunkt.
Nachdem der Referent durch einige Grundfakten Herwegh als erfolgreichen Dichter des Vormärz, gescheiterten Revolutionär und Deserteur und Exilanten vorgestellt hatte, folgten genauere Erläuterungen dazu in einer kurzen Biographie. Dabei wurde der Bildungsweg des am 31.5.1817 in Stuttgart geborenen Georg Herweghs skizziert, seine Probleme mit Autoritäten, seine Flucht aus dem Militärdienst und sein Leben als Schriftsteller in der Schweiz. 1841 gelang ihm sein größter Erfolg, die "Gedichte eines Lebendigen", 1842 verlobte er sich mit Emma Siegmund, 1845 lernte er Ludwig Feuerbach kennen. Nach dem Scheitern seines aktiven militärischen Einsatzes für die Revolution 1848 ging er wieder in die Schweiz. Es folgten problembeladene Jahre, sowohl was die Finanzen, als auch was seine Ehe betraf. Nach einer Amnestie für ehemalige Revolutionäre kehrte er nach Baden zurück, wo er am 7.4.1875 starb. Da er eine Beisetzung in freier Erde wünschte, ließ Emma ihn in der Schweiz beisetzen.
Die Korrespondenz Georg Herweghs mit Ludwig Feuerbach begann mit einer Einladung Herweghs an Feuerbach zur Mitarbeit am "Deutschen Bote(n) aus der Schweiz". Nachdem sie sich 1845 bei einem Besuch in Heidelberg persönlich begegnet waren, entstand eine von gegenseitiger Begeisterung getragene lebenslange Freundschaft, die auch die Ehefrauen mit einschloss. Zur gegenseitigen Beeinflussung stellte Frank Schulze fest, dass Herwegh mutmaßlich schon 1835 mit der Lektüre Feuerbachs begann und 1841 in dem Aufsatz "Feuerbach und Rosenkranz" höchst positiv zu Feuerbachs Ansatz der Kirchenskepsis und der Aufwertung des diesseitigen Lebens Stellung bezog. Es sei eine lebenslange Prägung von Herweghs Welt- und Menschenbild und seines Schaffens durch Feuerbachs Philosophie nachweisbar, bis hinein in seine Gedichte. Feuerbach wurde von Herwegh nicht in seinem philosophischen Denken, aber in seiner Lebenshaltung positiv beeinflusst. So beendete die persönliche Begegnung 1845 eine Phase der umfassenden Lethargie bei Feuerbach. Dass diese Freundschaft positive Effekte für alle Beteiligten hatte, wurde nochmal im Schlusswort dargestellt. In der anschließenden Diskussion kam die Vermutung auf, dass Georg Herwegh sehr gut in die "revolutionären" Jahre von 1968 gepasst hätte, was breite Zustimmung fand – auch die des Referenten.

Den letzten Vortrag des Seminars hielt nach der Kaffeepause Prof. Dr. Bernd Schmidt aus Nürnberg unter dem Titel: "Der Kampf gegen die Religion: Ist das noch sinnvoll? Warum man heute Christ sein sollte und was Ludwig Feuerbach dazu sagen würde".
In diesem Titel steckt schon im Wesentlichen die Gliederung des Vortrags, gleich in der Vorbemerkung zugespitzt auf die Behauptung, dass unter den Verhältnissen der Gegenwart Ludwig Feuerbach um der Humanität willen selbst Christ wäre. Als ersten Schwerpunkt stellte der Referent die Frage nach dem Zweck von Weltanschauungen für den Menschen. Als bedürfnisorientiertes Wesen strebe der Mensch danach, seine leiblichen, geistigen und sinnsuchenden Bedürfnisse zu befriedigen. Deshalb müssten Weltanschauungen eine Ontologie, eine Erkenntniskritik und eine Anthropologie enthalten. Für die säkulare Weltanschauung sieht Prof. Schmidt als Ontologie einen "hypothetischer Realismus", der von einer realen Welt ausgehe und alles als aus Materie entstanden erkläre. Im "kritischen Realismus" als Erkenntniskritik werden Theorien über die reale Welt entwickelt, die dann durch Verifikation immer sicherer werden oder durch Falsifikation verworfen. Als Anthropologie gelte ein "naturalistischer Realismus", der den Menschen als ein aus der Evolution sich entwickelt habendes Naturwesen sehe, das sich durch seine Reflexionsfähigkeit grundsätzlich von anderen Lebewesen unterscheide und sich entscheiden müsse, wie es leben will, als Einzelner und als Gesellschaft, was die Ethik bedinge.
Da eine für den Menschen nützliche Weltanschauung Sinnvermittlung, Normenvermittlung und deren Verbindlichkeit sowie ein soziales Gemeinschaftsgefühl stiften müsse, sei die säkulare Weltanschauung daraufhin zu überprüfen. Nach einer eindrucksvollen Zusammenfassung der säkularen Anschauung über die Stellung des Menschen in der Welt - mit den Komponenten teilnahmsloses Universum, unbedeutender Planet, entstanden durch Zufall und nach dem Tod ein Nichts -, stellte der Referent die Nützlichkeit dieser Weltanschauung für die Lebensgestaltung normaler, durchschnittlicher Menschen in Frage. Eine Weltanschauung, die die genannten Bedürfnisse nicht befriedige, habe aber keine Chance auf Durchsetzung. Weltanschauungen, die nur auf Aufklärung und die kritische Kraft der Vernunft setzten, gingen von einem falschen Menschenbild aus und müssten in ihrer Breitenwirkung scheitern, was schon an den antiken Beispielen wie Stoa oder Epikureismus gesehen werden könne.
Deshalb empfiehlt der Referent, mit liberalen Religionsformen zusammenzuarbeiten, da diese auch die reale Welt in den Vordergrund stellten, ebenso die Würde des Menschen, und von einer weitgehenden, wissenschaftlichen Erklärbarkeit der Welt ausgingen. Nur so könne man Mitstreiter fürs "Humanum" finden. In Anwendung von Ludwig Feuerbachs Religionskritik sieht er dessen Forderung: "Ich will sie zu Menschen, zu ganzen Menschen machen!" auch als Anspruch liberaler Christen - von daher seine provokante Eingangsbehauptung.
Prof. Schmidt verwies nochmals auf das Weltethos-Projekt von Hans Küng als eine Möglichkeit sinnvoller Zusammenarbeit, ehe er zum Schluss noch Vorschläge für sinnvolle Religionskritik einbrachte, z.B. eine realistischere und differenziertere Wahrnehmung von Religionsgemeinschaften und deren verschiedenen Strömungen, oder die Beachtung der Unterscheidung zwischen Theologie und gelebter Gläubigkeit, zwischen Kirchenstrukturen und Arbeit vor Ort – und der Forderung nach Zurückhaltung dem einzelnen Menschen gegenüber, um niemandes Seelenfrieden zu stören.
In der anschließenden Diskussion wurde zunächst Prof. Schmidts These, dass Feuerbach heute liberaler Christ wäre, vehement und auch mit Textbeispielen aus dem "Wesen des Christentums" zurückgewiesen, aber auch Feuerbachs Tendenz zur Toleranz gegenüber dem Weltbild des konkreten Individuums hervorgehoben. Der zweite Schwerpunkt war die Erinnerung an die Verbrechen der Kirche oder ihrer Mitglieder, die Grausamkeiten in AT und Koran. Diese Feststellungen unterstützte der Referent und s.E. auch die moderne Theologie, aber er betonte das Sinnstiftende der Bibel und vergleichbarer Texte.

Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion von Prof. Schmidt und Prof. Voland, moderiert von Helmut Fink. Dr. Voland eröffnete sein Statement mit der Feststellung, dass Einigkeit darüber herrsche, dass Religiosität Teil der "conditio humana" sei, dass aber die Dosis das Gift mache, und die Einflussnahme der Kirchen im öffentlichen Raum zu begrenzen sei. Des Weiteren stellte er fest, dass Religionen nicht die Erfinder von Sozialität seien, sondern Moral evolutionär älter sei als Religion. Außerdem wies er darauf hin, dass liberale Theologie bald an die Existenzfrage komme, da Religion leicht "zu billig" wird, wie am Beispiel des Protestantismus zu sehen ist. Und außerdem nähmen weltweit nicht die liberalen Strömungen zu, sondern die fundamentalistischen. Nach dem Hinweis auf die Gültigkeit von Mehrheitsentscheidungen in der Demokratie und dem Zweifel daran, dass die Menschen ohne Religion "gezähmt" werden können, stellte Dr. Schmidt nochmals seine Idee des "Humanismus" als Brücke in den Raum und erläuterte nochmals, was säkularer oder liberal-religiöser Humanismus jeweils für die Menschen bedeuten, und kam zu der Frage, ob wir als Menschheit schon so weit entwickelt seien, dass wir die religiösen Eierschalen hinter den Ohren abwerfen könnten. Er bezweifelte das für das Individuum und auch für die Gesellschaften, da Religionsgemeinschaften immer zugleich gesellschaftlich wirksame Gruppen seien. Mit einer kurzen Beschreibung der wichtigsten Atheismusformen, nämlich einem kämpferischen, einem reifen und einem nostalgischen, und der Empfehlung zum reifen, weil dieser ohne Scheuklappen dem Humanismus verpflichtet sei, endete die nur in Nuancen kontroverse Diskussion.

Diese interessante Schlussdiskussion können wir Ihnen nunmehr hier im originalen Audiostreaming zum Nachhören zur Verfügung stellen.


Das Podium diskutiert

Bericht: Ulrike Ackermann-Hajek/Fotos: Helmut Fink und Helmut Walther

Lesen Sie auch den bei hpd online erschienenen Bericht!



Stadt(ver)führung in Nürnberg: "Ludwig Feuerbach und das ewige Leben"

Anlässlich Ludwig Feuerbachs Todestag am 13.9. vermittelte die Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft Eindrücke seiner letzten Jahre in Nürnberg. Dies geschah am 22. September 2018, 14:00 Uhr und 22. September 2018, 15:30 Uhr am Johannisfriedhof teils am Tor, teils am Grab Feuerbachs, wo Ulrike Ackermann-Hajek neben biografischen Informationen zu den Nürnberger Jahren des Philosophen einige Zitate Feuerbachs zum Thema "Leben vor und nach dem Tod" vorstellte.



Bericht über den Besuch von Nürnberger Denkmal-Stationen Ludwig Feuerbachs im August 2018 von Sven Grillenberger

Unser Vorstandsmitglied Ulrike Ackermann-Hajek führte den Autor dieses feuilletonistischen Berichts zu den verschiedenen Denkmälern Ludwig Feuerbachs in Nürnberg auf dem Johannisfriedhof und auf dem Rechenberg, wo einst das Wohnhaus Feuerbachs stand und sich nunmehr der Kenotaph, eine Gedenktafel und Installationen mit Zitaten aus seinen Werken befinden. Lesen Sie den Bericht auf der Seite Nordbayern online.

Die dort genannten Feuerbach-Stationen können Sie hier auf unserer Webseite mit diesem Link betrachten.


Treffen am Grab Ludwig Feuerbachs zum 214. Geburtstag am Samstag, 28. Juli 2018, 17.30 Uhr im Johannisfriedhof Nürnberg.

<

Mitglieder und Freunde der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft Nürnberg e.V. trafen sich auch dieses Jahr wieder am Grab Ludwig Feuerbachs zu einer kleinen Gedenkveranstaltung. Nach der Begrüßung durch den Ersten Vorsitzenden Helmut Fink trug Ulrike Ackermann-Hajek den ersten Teil eines Textes zu verschiedenen "Stationen Ludwig Feuerbachs in Nürnberg" vor, der sich im Hinblick auf die Örtlichkeit Johannisfriedhof am Grab des Philosophen auf seine letzten Jahre in Nürnberg bezog; dazu passend wurden verschiedene Textstellen aus seinen Werken zu Leben – Tod – Unsterblichkeit zitiert.

<

Hier können wir Ihnen sowohl
diesen Redetext
und die ausgewählten Zitate
anbieten.

Nach einer kurzen Ansprache von J. Pommerrenig endete der "offizielle Teil", anschließend bot der nahegelegene Hesperidengarten Gelegenheit zu Abkühlung und munterem Gespräch.

<

Bericht und Fotos: H. Walther




Sie sind der  Counter. Besucher seit dem 04.05.1999.

Dank für diesen Counter an   http://www.digits.net/

Letzte Aktualisierung der Seite: 03.11.2016


Zurück zur Startseite