Aktuelle Berichte
über Ludwig Feuerbach
und Aktivitäten
der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft



  • Tagesseminar in Nürnberg am 28.11.2009
  • Veranstaltung zum Geburtstag Ludwig Feuerbachs am 28.07.2009 auf dem Johannisfriedhof Nürnberg


  • Tagesseminar in Nürnberg am 28.11.2009

    Auch dieses Jahr konnte die Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft Nürnberg e.V. im Kleinen Saal des Nachbarschaftshauses Gostenhof wieder ein Tagesseminar mit Themen um Ludwig Feuerbach durchführen, zu dessem guten Besuch auch die nachfolgende Veröffentlichung der Nürnberger Nachrichten vom 26.11.2009 beitrug:

    Um 10.15 Uhr war der Saal bereits gut gefüllt, als Prof. Dr. Dietrich Grille (Zweiter von links) das Seminar pünktlich
    eröffnete und die Teilnehmer begrüßte.

    Als Referenten traten auf
    • Dr. Dr. Joachim Kahl (Marburg): Aktuelle Atheismusdebatten
    • Helmut Fink (Nürnberg): Friedrich Jodl, ein zu Unrecht vergessener Freigeist
    • Dr. Alfred Kröner (Oberasbach): Die Gedanken Ludwig Feuerbachs zur Sexualität und deren philosophisch-anthropologischen Folgerungen


    Joachim Kahl, Helmut Fink, Alfred Kröner

    Joachim Kahl gab zunächst eine Überblick über die aktuellen Atheismus-Debatten von 2000 bis 2009 und spannte den Bogen vom "Glutkern der Religion in der postsäkularen Gesellschaft" (Habermas) über den "frommen und nostalgischen Atheismus" Schnädelbachs, den "alarmistischen" und "bilderstürmerischen" Atheismus etwa seitens der Giordano-Bruno-Stiftung und Richard Dawkins' ("Der Gotteswahn") hin zur "Sinntiefe" und "gottlosen Mystik" im Atheismus. Daraus leitete er im zweiten Teil seines Referats seine Typologie der Atheismen zwischen den Polen "solid und seriös" versus "alarmistisch und Heidenspaß" ab und konstatierte
    1. einen nostalgischen 2. einen eifernden und bilderstürmerischen 3. einen reifen Atheismus, der "die Kirche im Dorf lässt".

    Helmut Fink hatte sich den Herausgeber der Werke Ludwig Feuerbachs, Friedrich Jodl (* 23. August 1849 in München; † 26. Januar 1914 in Wien) zum Thema gewählt. Dieser deutsche Philosoph stand seit 1889 in engem Kontakt mit Wilhelm Bolin, dem Freund Ludwig Feuerbachs, und gab zusammen mit ihm bei Frommann in Stuttgart 1903-1911 die Werke des letzteren in einer 10-bändigen Ausgabe heraus. Auch veröffentliche er 1904 eine Monografie "Ludwig Feuerbach". Über diese engen Berührungspunkte mit Feuerbach hinaus, den er zeitlebens als philosophische Autorität schätzte, entwickelte er in München, Prag und vor allem Wien, den Stätten seines akademischen Wirkens, eine reiche schriftstellerische Tätigkeit etwa zur Ethik und Psychologie, trat persönlich auf dem Monistenkongress in Hamburg 1911 hervor und engagierte sich in der Volksbildung.

    Alfred Kröner ging in seinem Referat zunächst auf die nachnapoleonische Wende hin zu einem "romantischen Liebesbegriff" ein, der teils gegen die adlige Maitressenwirtschaft gerichtet war, die Sexualität an die Ehe band und insofern die Bedeutung des Individuums in der bürgerlichen Gesellschaft hervorhob. Dieses Individuelle in der Beziehung der Individuen untereinander war denn auch einer der wesentlichen philosophischen Schwerpunkte des Feuerbachschen Denkens ("Tuismus"), der die Leibfeindlichkeit der Kirche heftig bekämpfte und die Auswüchse des Marienkultes und der damit propagierten Jungfräulichkeit als "Albernheit" bezeichnete. Vielmehr bewirkt nach Feuerbachs Auffassung gerade die innigste Form der Liebe in der geschlechtlichen Beglückung des anderen erst auch das eigene Glück. An Hand der verschiedenen schriftstellerischen Äußerungen Feuerbachs zum Thema bereits seit 1830 ("Gedanken über Tod und Unsterblichkeit") durchgehend bis 1866 ("Über Spiritualismus und Materialismus") hin wurde die Entwicklung dieser Thematik im Denken Feuerbachs aufgezeigt, das etwa auf Martin Bubers "Ich-Du"-Philosophie befruchtend einwirkte.

    Die Zusammenfassungen der Referate können wir Ihnen hier zur Verfügung stellen.

    Natürlich bot der Tagungsablauf Gelegenheit zur Pflege des leiblichen Wohl in der Cafeteria des Nachbarschaftshauses, wobei sich denn auch die Teilnehmer im lebhaften Gespräch austauschten.

    Bericht und Fotos: Helmut Walther



    Veranstaltung zum Geburtstag Ludwig Feuerbachs am 28.07.2009 auf dem Johannisfriedhof Nürnberg

    Mitglieder und Freunde der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft Nürnberg e.V. trafen sich zum 205. Geburtstag des Philosophen an seinem Grabe, um dort zu seinen Ehren ein Blumengebinde niederzulegen; Vorstandsmitglied Dr. Alfred Kröner verwies auf das monistische Weltbild des Philosophen insbesondere auch im Hinblick auf den Tod, und trug dazu ein Zitat aus Feuerbachs Schrift "Zur Unsterblichkeitsfrage vom Standpunkt der Anthropologie" (1846) vor.

    "Vollkommen ist der Mensch erst ohne Jenseits."




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