Aktuelle Berichte
über Ludwig Feuerbach
und Aktivitäten
der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft







Bericht über den Besuch von Nürnberger Denkmal-Stationen Ludwig Feuerbachs im August 2018 von Sven Grillenberger

Unser Vorstandsmitglied Ulrike Ackermann-Hajek führte den Autor dieses feuilletonistischen Berichts zu den verschiedenen Denkmälern Ludwig Feuerbachs in Nürnberg auf dem Johannisfriedhof und auf dem Rechenberg, wo einst das Wohnhaus Feuerbachs stand und sich nunmehr der Kenotaph, eine Gedenktafel und Installationen mit Zitaten aus seinen Werken befinden. Lesen Sie den Bericht auf der Seite Nordbayern online.

Die dort genannten Feuerbach-Stationen können Sie hier auf unserer Webseite mit diesem Link betrachten.


Treffen am Grab Ludwig Feuerbachs zum 214. Geburtstag am Samstag, 28. Juli 2018, 17.30 Uhr im Johannisfriedhof Nürnberg.

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Mitglieder und Freunde der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft Nürnberg e.V. trafen sich auch dieses Jahr wieder am Grab Ludwig Feuerbachs zu einer kleinen Gedenkveranstaltung. Nach der Begrüßung durch den Ersten Vorsitzenden Helmut Fink trug Ulrike Ackermann-Hajek den ersten Teil eines Textes zu verschiedenen "Stationen Ludwig Feuerbachs in Nürnberg" vor, der sich im Hinblick auf die Örtlichkeit Johannisfriedhof am Grab des Philosophen auf seine letzten Jahre in Nürnberg bezog; dazu passend wurden verschiedene Textstellen aus seinen Werken zu Leben – Tod – Unsterblichkeit zitiert.

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Hier können wir Ihnen sowohl
diesen Redetext
und die ausgewählten Zitate
anbieten.

Nach einer kurzen Ansprache von J. Pommerrenig endete der "offizielle Teil", anschließend bot der nahegelegene Hesperidengarten Gelegenheit zu Abkühlung und munterem Gespräch.

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Bericht und Fotos: H. Walther



Bericht vom Tagesseminar der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft
am 28.10.2017 in Nürnberg

Auch heuer wurde die Tradition der LFG fortgesetzt und am letzten Oktobersamstag ein Tagesseminar zu Themen mit Bezug auf Ludwig Feuerbach im Nachbarschaftshaus Gostenhof abgehalten. Die Teilnehmer im vollbesetzten Seminarraum erwarteten vielfältige und interessante Einblicke in Leben, Werk und Wirkung Ludwig Feuerbachs.

Der neue Vorsitzende der LFG, Helmut Fink, begrüßte die Teilnehmer, stellte die neue Vorstandschaft vor und hatte zuerst eine Änderung des Tagungsplans bekanntzugeben: Krankheitsbedingt musste der Referent Dr. Dr. Joachim Kahl absagen, so dass als erster Programmpunkt eine filmische Biographie Paul Johann Anselm Feuerbachs, des Vaters des Philosophen, die Teilnehmer auf die Zeit und Bedingungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts einstimmte.

Der 1775 in Hainichen bei Jena geborene und in Frankfurt aufgewachsene P.J.A. Feuerbach begann 1792 in Jena ein Studium der Rechte, wechselte aber bald zur Philosophie, welche seine große Leidenschaft war. Früh zeigte er großen Ehrgeiz und großes Sendungsbewusstsein: Er wollte in der Welt etwas bewirken und sich einen großen Namen schaffen. Von einer sich abzeichnenden Familiengründung gezwungen, wechselte er wieder zur Jurisprudenz als Brotberuf. Er wurde in der Folge zum einflussreichsten Rechtsgelehrten seiner Zeit, Reformator des bayerischen Strafrechts und Verfasser eines Strafgesetzbuchs, das zum Vorbild für viele Staaten in Europa wurde. Spätes öffentliches Aufsehen erregte er mit der Inobhutnahme des Findlings Kaspar Hauser und seiner Darstellung des Falles. 1833 verstarb Paul Johann Anselm Feuerbach in Frankfurt, auf dem Weg zu einer Kur.


Helmut Fink, Dr. Alfred Kröner, Ulrike Ackermann-Hajek, Prof. Dr. Hans-Martin Sass

Im ersten Referat des Tages stellte Dr. Alfred Kröner die Beziehungen Ludwig Feuerbachs zur Nürnberger Bürgerschaft vor. Nachdem zunächst die eher losen Verbindungen Ludwig Feuerbachs nach Nürnberg dargestellt wurden (Mutter, Schwestern und Bruder Friedrich wohnten seit 1834 in Nürnberg) und seine Verbundenheit mit seiner Naturklause in Bruckberg nochmals betont worden war, ging es um seine Verbindungen zu den Bürgern der 1860 61.500 Einwohner zählenden Industriestadt Nürnberg. Diese bestanden hauptsächlich zu seinem Hausarzt, dem Bibliothekar des Germanischen Museums und dem Industriellen Theodor von Cramer-Klett. Auch in einigen Vereinen, wie der Naturhistorischen Gesellschaft und dem Bürgerverein ließ sich eine Mitgliedschaft nachweisen. Strittig blieb der Punkt von Ludwig Feuerbachs Verbindung zu den Arbeitervereinen. Nach einer kurzen Vorstellung einiger von Feuerbach gern besuchter Gasthäuser kam Dr. Kröner zu dem Schluss, dass der Philosoph wohl doch ganz gut in Nürnberg gelebt hatte, wenn er auch im Tagebuchkommentar den Abschluss seines Mietvertrags als „Unterzeichnung des Todesurteils“ bezeichnete. Er hatte vielfältige Sozialkontakte, stellte hier den Band 10 seiner Gesamtwerkausgabe fertig (1866) und seine glanzvolle Beerdigung 1872 zeigte ihn als „geachtete Größe“.

Im letzten Referat des Vormittags befasste sich Ulrike Ackermann-Hajek schwerpunktmäßig mit einer Brieffreundschaft Ludwig Feuerbachs: Konrad Deublers Briefwechsel mit Ludwig Feuerbach, dessen Ehefrau und dessen Tochter. Der Vortrag informierte zunächst das Publikum darüber, dass die LFG den gesamten vorhandenen Briefwechsel von der Österreichischen Nationalbibliothek 2015 in gescannter Form erworben hat. Ziel dieses Beitrags war es nun, den Veröffentlichungsstand des Briefwechsels zu zeigen, Konrad Deubler kurz vorzustellen und seine Verbindung zu und Bedeutung für Ludwig Feuerbach und dessen Familie darzulegen.

Zunächst ging es also um den Veröffentlichungsstand. In den Scans sind 21 Briefe von Konrad Deubler an Ludwig Feuerbach und 17 von Ludwig an K. Deubler enthalten. In die Gesamtausgabe der Werke Ludwig Feuerbachs von Prof. Werner Schuffenhauer sind davon insgesamt 19 aufgenommen. Von den 18 Briefen des „Bauernphilosophen“ an die Frauen und von den 35 Karten und Briefen Leonores und 5 Briefen Berthas ist nur ein kleiner Teil in Band 22 veröffentlicht.

Dann wurde eine kurze Biographie des „Bauernphilosophen“ Konrad Deubler vorgestellt, ergänzt durch Zitate aus Briefen zu besonderen Ereignissen. Konrad Deubler lebte von 1814 bis 1884 in Bad Goisern im Salzkammergut. Er war ursprünglich Müller von Beruf, später auch Gastwirt. Er setzte sich mit aufklärerischen und religionskritischen Schriften auseinander und verbreitete seine Erkenntnisse in seiner Umgebung. Deshalb geriet er 1853 mit dem Gesetz in Konflikt, wurde inhaftiert und verbannt. Nach seiner Freilassung wollte er u.a. Ludwig Feuerbach in Rechenberg besuchen, traf den Philosophen aber nicht an. Daraufhin begann der Briefwechsel, der mit dem letzten Brief Feuerbachs von 1871 und dem letzten Deublers an Feuerbach vom Januar 1872, die im Originalscan gezeigt und auszugsweise dem Publikum vorgetragen wurden, endete. Der eigenständige Briefwechsel von Bertha und Leonore Feuerbach mit Konrad Deubler wurde noch an fünf Beispielen verdeutlicht.

Als Fazit bewertete die Referentin den Erwerb der Scans des Briefwechsel als mehrfach nützlich: Zum einen werden editorische Besonderheiten der Gesamtwerke-Ausgabe deutlich und zum anderen, dass die geistige und emotionale Nähe zu Ludwig Feuerbach das Band war, das Leonore Feuerbach und Karl Deubler verband – neben gegenseitiger Hochschätzung, die auch die Mutter Leonores, Bertha Feuerbach miteinschloss.


Im Nachbarschaftshaus Gostenhof war auch für das leibliche Wohl gut gesorgt.

Nach der Mittagspause setzte Prof. Dr. Hans-Martin Sass das Seminar fort mit dem Thema: Der Dialog zwischen Ich und Du – Reform der Philosophie. Bio-ethische, bio-kulturelle und bio-politische Betrachtungen zur unvollendeten Reform von Ethik und Kultur des integrierten Bios. Prof. Sass wählte als Ausgangspunkt den Feuerbach-Satz: „Alle Wissenschaften müssen sich auf die Natur gründen“ sowie dessen Anspruch einer Reformation der Philosophie, sodass sich Feuerbach insoweit selbst als „Luther II“ bezeichnete. Denn mit seinem Satz „Wahrheit ist die Totalität des menschlichen Lebens“ geht Feuerbach über die Grenzen der Aufklärung hinaus, die das autonome Individuum zum Ziel hatte.

Den nächsten Schwerpunkt bildeten acht Kompetenzen und Kapazitäten des Bios generell, die sich auch in Geschichte und Kultur der menschlichen Spezies nachweisen ließen, nämlich Kommunikation und Kooperation, Kompetenz und Konkurrenz, Kontemplation und Kalkulation, Konstruktion und Kultivierung. Diese acht Punkte bestimmten auch die Realität des menschlichen Lebens. Es wäre aber an der Zeit, sich auf neue Werte im Umgang mit der Natur zu einigen – oder sich auf alte, in allen Kulturen „all over the world“ schon tradierte wieder zu besinnen.

Deshalb müsse der Kategorische Imperativ Kants erweitert werden zum bioethischen Imperativ Fritz Jahrs: „Achte jedes Lebewesen grundsätzlich als Selbstzweck.“ Außerdem sollten die denkenden Menschen Feuerbachs neuen Kategorischen Imperativ nicht vergessen: „Wolle nicht Philosoph sein im Unterschied vom Menschen, sei nichts weiter als ein denkender Mensch.“

Das letzte Kapitel befasste sich mit „Einheit in Gemeinschaft“. Außer im großen Netzwerk des Bios stecke jeder Mensch auch noch in Gemeinschaften. Das könnten geographische Gemeinschaften sein oder liquide Gemeinschaften (an Medien oder Vorstellungen gebundene). Beide Arten gehörten immer zusammen. Das untermauernde Feuerbachzitat lautete: „Das Wesen des Menschen ist nur in der Einheit in der Gemeinschaft, in der Einheit des Menschen mit dem Menschen enthalten – eine Einheit, die sich aber nur auf die Realität des Unterschieds von Ich und Du stützt“.

Den Abschluss bildete das Gedicht von Carl Maria Feuerbach, Nachkomme von Ludwig Boos, dem unehelichen Sohn L. Feuerbachs, aus Neustadt/Aisch, mit dem Titel „Stundenschlag der Ewigkeit“.

Die PowerPointRepräsentation zu diesem Vortrag können Sie hier einsehen.


Zum Abschluss des Seminartages hatte Helmut Walther unter dem Titel „Ich und Du“ – Ludwig Feuerbach und Martin Buber ein Doppelreferat übernommen. Im ersten Teil wurde zunächst die Kritik von F.A. Lange an Feuerbachs Philosophie vorgestellt, der – wenn auch eher spöttisch – diesen als Erfinder des „Tuismus“ bezeichnet hatte. Unter Vorstellung diverser Feuerbach-Zitate insbesondere aus den Grundsätzen der Philosophie der Zukunft wurde aufgezeigt, dass Lange jedenfalls diesen Neuansatz Feuerbachs durchaus richtig gekennzeichnet hatte. Das bedeutet zum einen in funktionell-objektiver Hinsicht: „Der andere ist mein Du – ob dies gleich wechselseitig ist –, mein alter ego, der mir gegenständliche Mensch, mein aufgeschlossenes Innere – das sich selbst sehende Auge. An dem andern habe ich erst das Bewußtsein der Menschheit“, zum andern aber in existentieller Hinsicht: „Die Moral kann nicht aus dem bloßen Ich oder der bloßen Vernunft ohne die Sinne, sie kann nur aus der Verbindung von Ich und Du, welches im Gegensatze zu dem sich denkenden Ich nur durch die Sinne gegeben ist, ... abgeleitet und erklärt werden. Dieses andere, dieser Bestimmungsgrund des Ichs zur Pflicht ist aber eben der Glückseligkeitstrieb des Du.“


Helmut Walther bei seinem Feuerbach-Buber-Vortrag

Im zweiten Teil wurde zunächst ein kurzer Überblick über das Leben und Werk von Martin Buber gegeben einschließlich eines kurzen Filmausschnitts, um dessen Persönlichkeit näher zu veranschaulichen. Sodann wurden die wesentlichen Zitate aus dessen wichtigstem Werk Ich und Du vorgestellt, das sich in drei Teile einteilen lasse: Ich-Du(-Welt), Ich-Es(-Welt), Ich-Gott. In jedem Teil stehe eine andere Form von Beziehung im Fokus: die eigentliche Beziehung – die objektive Erfahrungswelt – die immanent-transzendierende (und Ich-Du wie Ich-Es umhüllende) Gottesbeziehung. Für die Bedeutung der Ich-Du-Beziehung berufe sich Buber ausdrücklich auf Feuerbach, den er in seinen Schriften einerseits als wichtigsten Urheber dieser Denkrichtung bezeichne, diesen andererseits jedoch auf Basis seiner eigenen jüdisch-religiösen Rückbindung kritisiere und Feuerbach „schlechte Metaphysik“ vorhalte – was der Referent wiederum kritisierte: Eine solch problematische und teilweise weltfremd-idealistische Metaphysik treffe eher für Buber selbst zu. Dies hätten auch bereits befreundete Zeitgenossen Buber vorgehalten, wie mittels diverser Zitate aufgewiesen wurde.

Richtig jedoch sei in jedem Falle bei Feuerbach wie bei Buber, dass in diesem Zusammenwirken von „Ich-Du-Wir“ der Mensch als Individuum wie die Menschheit insgesamt sich „über sich hinaus“ verhalten und wachsen könne, und dies eben tatsächlich nur im dialogischen Prozess der unterschiedlichen Individuen.


Der Seminarraum war auch diesmal wieder gut gefüllt.

Bericht: Ulrike Ackermann-Hajek/Helmut Walther
Fotos: Helmut Walther


Artikel des LFG-Vorsitzenden Helmut Fink
in der Zeitschrift Regiomontanusbote 4/2017 S. 23-24 unter dem Titel: "Wer war Ludwig Feuerbach?"

Den Artikel können Sie mit diesem Link aufrufen.

Am 2.11.2017 referierte Helmut Fink auf Einladung der gbs Hamburg über Ludwig Feuerbachs Religionskritik, wir können Ihnen mit diesem Link einen Überblick des Referats mit verschiedenen Originalzitaten Feuerbachs zur Verfügung stellen.

Demnächst besteht am 16. November 2017 um 19:30 Uhr die Gelegenheit, Leben und Werk Ludwig Feuerbachs in einem öffentlichen Abendvortrag von Helmut Fink auf der Sternwarte Nürnberg am Rechenberg kennenzulernen und die Wirkung und Aktualität von Ludwig Feuerbachs Denken zu diskutieren.




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Letzte Aktualisierung der Seite: 03.11.2016


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